Archiv der Kategorie 'An den Rand gekritzelt'

Kleiner Koalitionsvorschlag

Derzeit tourt (noch bis zum 27.4.) der FAU-Aktivist Roman Danyluk, um sein aktuelles Buch »Befreiung und soziale Emanzipation« – der Titel ist ein bisschen arg doppelgemoppelt – vorzustellen. Zum Buch kann ich nichts sagen, weil ich es nicht gelesen habe, aber ich war auf einer der Vorstellungen – und war angenehm überrascht. Sagen wir so: Es dürfte nicht wenige »unter uns« geben, die die Geschichten, die Danyluk erzählt, aus dem Eff-Eff kennen. Das Buch wird wohl keine Offenbarung radikaler Theorie sein, soll es aber auch gar nicht! Es ist eine Handreichung für insbesondere junge Aktivistinnen und Aktivisten, denen nicht noch mal ein Aktivistenbuch dargeboten werden soll.
Danyluk, der in seinem Vortrag einen Durchgang durch alle Kapitel seines Buchs bietet, durchmustert die Geschichte der radikalen Arbeiterbewegungen (immer im Plural), um daraus Material für eine heutige antiautoritäre, schonungslos selbstkritische und überraschend offene Herangehensweise an die Probleme der Selbstbefreiung zu gewinnen. Dabei hat er keine Scheu, auf marxistisches Tafelsilber (Operaismus! Rätekommunismus!) zurückzugreifen, Theoretiker wie Roman Rosdolsky und Karl Korsch angemessen zu würdigen und die historische Praxis des Syndikalismus mitunter hart zu kritisieren – er dürfte zu den wenigen hiesigen Syndikalisten zählen, die Michael Seidmans »Gegen die Arbeit«, eine gründliche Darstellung auch der CNT-Politik als zutiefst bürgerlichen Rationalitätskritierien verhaftet, mit jenem Spaß, der sich immer einstellt, wenn die Selbstkritik gelingt, rezipieren.
Danyluks Buch – oder präziser: sein Vortrag, der das Buch vorstellt – mündet in einer Produktivitäts- und Technologiekritik, die vorbehaltlos diesen unverwüstlichen Kern des Marx’schen KAPITAL in sich aufgenommen hat. Danyluk stellt das alles sehr unprätentiös und entspannt unkompliziert vor, und er macht klar, dass sein Buch weitgehend der Selbstverständigung dient – nach dreißig Jahren Aktivismus nimmt er sich noch mal einige Kategorien zur Brust und arbeitet sie kritisch durch. Diese Anstrengung, die, um es zu betonen, gänzlich uneitel daherkommt, vermittelt sich dem Publikum: Hier will jemand was wissen und ist an Austausch und Dialog interessiert über die Grenzen einer Organisation, die ja ganz gerne ihre Fähnchen schwenkt und schwer einen auf Verein mit Schrebergarten-Anschluss macht, hinweg.
Nicht falsch verstehen: Danyluk ist kein »Überläufer«, kein Anarcho, der geblickt hat, wo der Hammer des Histomat hängt. Genau darum – um Rechthaberei und Vereinsmeierei – geht es nicht. Auch wenn der theoretische Ertrag von »Befreiung und soziale Emanzipation« eher gering ausfallen mag, ist es eine Einladung zum Austausch linksradikaler Gruppen auf Grundlage der Geschichte der Arbeiterselbstbefreiung. Sollte man nicht ausschlagen.

Dead Voices In The Temple Of Error

Letzte Woche hatte ich einen Job zu erledigen, der im Frisieren von Texten bestand: Studierende hatten sich zu bestimmen Situationen ihres studentischen Daseins geäußert, schriftlich. Nun ging es darum, daraus lesbare, verständliche, zumindest irgendwie korrekte Sätze zu machen. Da wo die Aussagen ganz besonders präzise sein sollten, waren sie fürchterlich umständlich formuliert; was vielleicht lässig gemeint war, war einfach nur sinnfreies Gestammel. Kein Gedankengang wurde zu Ende geführt, nach spätestens zwei Sätzen taten sich abgrundtiefe Widersprüche aus – was haben wir da gerade eben noch geschrieben? Hmm? Egal. Das alles selbstredend ohne Punkt und Komma, kurzum: ohne Sinn und Verstand. Es waren Studierende aller Fakultäten, junge Leute noch, aber andererseits – ist man mit Anfang zwanzig eigentlich noch jung?
Verstehen wir uns nicht falsch, ich zähle mich nicht zu den gehässigen Kleinkarierten, die im politischen Streit erst den Gegner, der ihnen am liebsten ein Feind wäre, zitieren, um dann genüsslich in Klammern zu ergänzen: »(Rechtschreibung im Original)«. In einem ganz besonders ideologiedeutschen Forum wurde (wird?) dieses Bloßstellen ganz besonders gerne betrieben, nur blöd, dass die eigene kommentierende Klientel ebenfalls nicht wusste, wie Kommata sinnvoll einzusetzen waren und penetrant »wider besseren Wissens«schrieb.
Aber hier ging es nicht um Tippfehler und notorische grammatische Lapsi, sondern um geistloses Geschmiere »unserer« zukünftigen Elite. Jeder wusste das: Mein Auftraggeber, die Grafiker, die Kolleginnen im Lektorat – alles Grütze, Weichbirnigkeit, rammdösiges Gebrabbel. Aber es durfte nie und nimmer so genannt werden. Und darf es auch weiterhin nicht.
Schönfärberei. Ich kenne Leute, die besprechen Bücher für linke Journale, und die meisten dieser Bücher sind doof. Muss man so sagen. Uninspiriert, unbeholfen, maßlos in der Selbstüberschätzung (John Holloway!), schlecht lektoriert (oder gleich gar nicht), lieblos übersetzt, gesetzt von Leuten, die ihren Job hassen, und das Cover kann nur einer kranken, sowieso farbenblinden Bürokraten-Natur entsprungen sein. Was lesen wir aber, wenn der erschütterte Leseeindruck sich in einer »Rezension« verfestigt hat? Ein beherztes Einerseits-Andererseits, ein mutiges »Ja, aber«, und: »wichtig, dass die Fragen mal gestellt wurden«, »bringt die Debatte voran«, »… wird ganz richtig festgestellt, dass Marx Recht hatte, Lenin ein Dummkopf war, Eier nicht länger als fünf Minuten kochen sollten und Earl Grey am besten drei Minuten zieht«.
Es ist schlechterdings unmöglich, dass 140 Jahre nach der »Kapital«-Erstauflage und 139 Jahre nach dem ersten »Kapital«-Kommentar heute noch ein Kommentar/eine Einführung/ eine Erläuterung etc.pp. erscheint, die dem Stoff irgendwas Klärendes zur Seite stellen könnte. Sorry Karl, aber das Ding ist ausgeschöpft. Wer jetzt noch auf die »beste Einführung« wartet, wird es nie verstehen (das Original). Trotzdem erscheinen Jahr um Jahr irgendwelche Lesehilfen, Einführungen, Vorlesungen, Powerpoint-Präsentationen. Und immer werden sie als die jeweils beste, gültigste, definitivste abgefeiert.
Das meiste ist Bullshit – schon klar: nicht nur die Flut der »Kapital«-Kommentare, gemeint ist das ganze Schönfärber-Business der Rezensenten und Redigierweltmeister –, das wisst die Leute aber auch schon. Der Trick besteht darin, einfach weiter zu machen – WIDER BESSERES WISSEN –, so zu tun, als ob nix gewesen wäre, als gäbe es überhaupt einen Anlass zum fairen Abwägen. Jeder weiß um den Schrott – der Produzent / die Leserin; die Redakteurin / der Anzeigenkunde. Kein BILD-Redakteur hat was gegen das AZ in seiner Stadt, er würde sogar in die Nachbarschaft ziehen, wenn sich die Gelegenheit auf eine schicke Altbauwohnung »mit Flair« böte, aber jeder BILD-Redakteur schüttet unendlichen Hass und Hohn über die jungen Leute aus, die ja meistens nur ein bisschen reden wollen und sich gerne mal als Clowns verkleiden. Jeder weiß das. Kein ZEIT-Redakteur erträgt das Gebrabbel des stahlgewittersenilen Herausgebers – aber sie drucken jeden seiner pisstrüben Wortsturzbäche (»Was Europa jetzt braucht«) blindlings weg. Ein Verleger rastet aus, weil irgendjemand seinen mittelprächtigen Ex-Pop-Immer-Schösel-Autor als Türöffner für rechtes Gedankengut angeschwärzt hat – und weiß, dass dies und nur dies die Auflage verdreifacht hat.
Alles Quatsch, und deshalb machen alle mit.
Jeder weiß: beantragen alle Hilfsbedüftigen Stütze, bricht das autoritäre Versorgungssystem umgehend zusammen (die sog. Piven/Cloward-Strategie); schmieren morgen 500.000 Hausfrauen ihren Männern und Blagen mal nicht die Brötchen, ist das Patriarchat schon am Montag Geschichte; bummeln die Eisenbahner, ist binnen einer Woche das Model Deutschland ruiniert; würde auch nur einmal wild beim Daimler gestreikt, das Weltsystem wäre nächsten Monat einfach weggeknickt. Und würden 30.000 Textarbeiterinnen einfach mal den Schrott Schrott nennen, den sie zu tollen Meinungen und spannenden Features zu veredeln sich irrigerweise gezwungen sehen … dann würde nichts dergleichen passieren. Aber alle wären gelassener.

Einladung zur Debatte

Vor sechzig Jahren publizierte der Politologe und Philosoph Iring Fetscher in der »Zeitschrift für philosophische Forschung« eine kleine Notiz, sie blieb, das sei vorweg gesagt, folgenlos (Bd. 6, H. 3 [1952], pp. 425-426).

Die Bedeutung Max Stirners für die Entwicklung des historischen Materialismus
von Iring Fetscher, Tübingen

H. Arvon weist im Septemberheft 1951 der »Temps Modernes« (7e année, no 71 p 509-536) auf eine unerklärliche Lücke in der Marx-Forschung hin. In der Tat hat bislang die Polemik des jungen Marx gegen Stirners »Der Ein zige und sein Eigentum« (1845) kaum Beachtung gefunden, obwohl diese Polemik den größten Teil, der allerdings erst 1932 im Druck erschienenen »Deutschen Ideologie« ausmacht. Die Gründe für diese Mißachtung sieht Arvon vor allem in der Darstellung der Entwicklung des historischen Materialismus, die Engel in seinem Buch über Feuerbach gibt. Dort wird Stirner unter den Hegelianern noch vor Feuerbach genannt, obgleich sein Hauptwerk erheblich nach den beiden großen Arbeiten Feuerbachs (»Das Wesen des Christentums« und »Die Philosophie der Zukunft«) erschienen ist. Arvon ist aber der Meinung, daß in Wahrheit Stirner das Bindeglied zwischen Feuerbach und Marx darstellt und keineswegs, wie Engels meint, nur als ein skurriler Vorgänger des Anarchisten Bakunin anzusehen ist.
Die Bedeutung Stirners erblickt der Verfasser darin, daß er durch seine scharfe Kritik des ethischen dt. Sozialismus und Kommunismus seiner Zeit und durch Entlarvung der »idealistischen Reste« in Feuerbachs Philosophie Marx direkt beeinflußt oder wenigstens in der Entwicklung seines Denkens klärend und beschleunigend gewirkt hat. »Marx versucht … nicht nachzuweisen, daß die Kritik, die im ›Einzigen und sein Eigentum‹ geübt wird, falsch in sich ist, sondern nur, daß sie den (eigentlichen) Sozialismus und Kommunismus nicht trifft (zu diesem Zweck zitiert Marx zwei Zeitschriften: ›l‘Egalitaire‹ und ›La Voix du Peuple‹, die Stirner in Deutschland unmöglich kennen konnte und weist auf den ebenfalls auf dem Kontinent unbekannten Owen hin). Zu diesem Zwecke ist er (außerdem) gezwungen, mit äußerster Energie den Feuerbachschen Humanismus aufzugeben und einen endgültigen Bruch zu vollziehen, vor dem er noch in der ›Heiligen Familie‹ zurückgeschreckt war. Von jetzt an hat Marx nur noch Verachtung für eine ethische Interpretation des Kommunismus …« (S. 524). Die Hauptthese Arvons faßt noch einmal seine Auffassung über das Verhältnis von Feuerbach, Stirner und Marx zusammen: »Der historische Materialismus, den (Marx) in der Dt. Ideologie vertritt, ist unmittelbar aus dem Widerspruch des Feuerbachschen Humanismus und des Stirnerschen Idealismus hervorgegangen – oder anders gesagt – aus der Polemik, die Stirner im ›Einzigen und sein Eigentum‹ gegen den Verfasser des ›Wesens des Christentum‹ richtet.«

Henri Arvon1 erweiterte den Aufsatz 1954 zu einer Stirner-Monographie, die eine lange Zeit (bis 1966) die weltweit einzige bleiben sollte. Auch dieses Buch fand in der deutsch(sprachig)en Debatte um die Herausbildung des Marxismus keine Beachtung, von dem ganz kleinen Kreis der Stirnerianer vielleicht abgesehen. Es gibt überhaupt nur eine aus einem marxistischen Impetus heraus geschriebene Arbeit, die die Anregung Arvons positiv aufnimmt »Gegenzüge. Der Materialismus des Selbst und seine Ausgrenzung aus dem Marxismus – eine Studie über die Kontroverse zwischen Max Stirner und Karl Marx« (1978/1982) von Wolfgang Essbach. Essbach hat die empirisch ziemlich eindeutig zu belegende These, dass Stirner »Geburtshelfer und böse Fee an der Wiege des Marxismus« resp. des historischen Materialismus sei, noch in einigen kleineren Arbeiten vertreten, so z.B. in dem von Harald Bluhm herausgegebenen Kommentarband zur »Deutschen Ideologie« (Akademie Verlag 2010, S.165ff.). Rezeption außerhalb der Stirner-Kreise: Fehlanzeige. Bis heute herrscht die handelsübliche Denunziation vor (»absolute Selbstsetzung des Individuums durch Vernichtung von allem, was diesem entgegensteht«). Der Marxismus wird nun mal nicht intelligenter, wenn er in unangemessen altkluger, dabei dummdreist ignoranter Pose in Abwehrhaltung zu Stirner geht. Aus Stirner einen Protofaschisten zu schnitzen fällt übrigens schwer, wenn man allein eine feine Polemik wie diese liest.
Lange Rede, kurzer Sinn: Arvons Buch »Max Striner – An den Quellen des Existenzialismus«2 liegt seit wenigen Wochen in deutscher Übersetzung vor. Und noch mal bietet sich die nicht häufige Gelegenheit einer zumindest geistigen Lockerungsübung, und wieder wird sie ausgeschlagen, vermutlich noch nicht mal wahrgenommen werden. Wir registrieren das ganz ungerührt, und werden uns alsbald wieder mit den ernsten Dingen des Lebens beschäftigen.3

  1. Der Verweis auf den Artikel Bernd A. Laska ist bitte als Leseaufforderung zu verstehen! [zurück]
  2. Korrekter wäre allerdings, hält der Stirner-Forscher Bernd A. Laska (siehe Link) fest, es »An den Quellen des Marxismus« zu nennen: »Während Arvon darin im Detail gezeigt hat, dass Stirner eine wichtige ›Quelle‹ des Historischen Materialismus und somit des Marxismus war, deklarierte er ihn im Buchtitel als ›Quelle‹ des Existentialismus. Von Stirner als Ahnherrn des Existentialismus ist in Arvons Buch indes nur auf den beiden letzten Seiten die Rede, zwar unter dem Titel Conclusion, aber keineswegs aus dem Vorhergehendem erschließbar. Auch hat sich kein namhafter Existentialist positiv auf Stirner bezogen.« [zurück]
  3. Das Interesse an Stirner ist kein philologisches, es geht nicht um die Rehabilitation Stirners als jemanden, der an einer bestimmten Stelle mal eine wichtigere Rolle im politischen Leben Marx’ens gespielt hat. Stirner wird, wenn er denn überhaupt mal explizit erwähnt wird, in der Marx-Forschung nicht als Kuriosum erwähnt, sondern mit zähnefletschendem Ingrimm verfolgt. Wenn Marx doch so eindeutiger Punkt-Sieger gegenüber diesem ›wildgewordenen Kleinbürger‹ ist, woher dann die Aufregung? Wenn der Stirner dem Marx tatsächlich die humanismusduseligen Flausen und das moralisch-anthropologische Gesäusel ausgetrieben haben sollte – wie gesagt: die Quellenlage lässt kaum einen anderen Schluss zu –, kann man dann noch Stirner zu einem Protofaschisten machen, und was hieße das für den Marxismus? Und wenn Stirner schon da war, wo Marx gerne hinwollte, wieso ist Marx dann doch einen anderen Weg gegangen? Ach, merkwürdige Fragen. [zurück]

Wie wenig sich geändert hat, #2

Nun kann nicht geleugnet werden, daß die Anwendung von Aktiengesellschaften auf die Industrie eine neue Epoche im ökonomischen Leben der modernen Nationen kennzeichnet. Einerseits hat dies die produktiven Potenzen der Assoziation offenbart, wie man sie vorher nicht vermutet hatte, und industrielle Gründungen auf einer Stufenleiter ins Leben gerufen, die durch die Anstrengungen einzelner Kapitalisten nicht erreichbar ist. Andererseits darf man nicht vergessen, daß in Aktiengesellschaften nicht die Individuen vereinigt sind, sondern die Kapitalien. Durch diese Manipulation sind Eigentümer in Aktionäre, d.h. in Spekulanten verwandelt worden. Die Konzentration des Kapitals hat sich beschleunigt und, als natürliche Folge, auch der Ruin der Kleinbourgeoisie. Eine Art von Industriekönigen ist entstanden, deren Macht im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Verantwortlichkeit steht, sind sie doch nur bis zur Höhe ihrer Aktien haftbar, während sie über das gesamte Kapital der Gesellschaft verfügen. Sie bilden ein mehr oder weniger beständiges Element, während die Masse der Aktionäre einen unaufhörlichen Prozeß der Veränderung ihrer Zusammensetzung durchläuft; und da sie eben über den ganzen Einfluß und Reichtum der Gesellschaft verfügen, sind sie in der Lage, einzelne rebellische Mitglieder derselben zu bestechen. Unter diesem oligarchischen Direktorium steht eine bürokratische Körperschaft von Geschäftsführern und Agenten für die praktische Arbeit, und unmittelbar unter diesen eine riesige und täglich anschwellende Masse von bloßen Lohnarbeitern, deren Abhängigkeit und Ohnmacht mit den Dimensionen des Kapitals, das sie beschäftigt, wächst, die aber auch in direktem Verhältnis zur abnehmenden Zahl der Repräsentanten dieses Kapitals gefährlicher werden. Es ist das unsterbliche Verdienst Fouriers, diese Form der modernen Industrie unter der Bezeichnung industrieller Feudalismus vorausgesagt zu haben.

Karl Marx, »Der französische Credit Mobilier«, 3-teilige Artikelserie für die New York Daily Tribune, Juni/Juli 1856, auch in MEW 12, S.20ff.

Wie wenig sich geändert hat

An wirklichem, tatsächlichem oder theoretischem Bildungsstoff ist da absoluter Mangel. Statt dessen Versuche, die sozialistischen oberflächlich angeeigneten Gedanken in Einklang zu bringen mit den verschiedensten theoretischen Standpunkten, die die Herren von der Universität oder sonstwoher mitgebracht und von denen einer noch verworrener war als der andre, dank dem Verwesungsprozeß, in dem sich die Reste der deutschen Philosophie heute befinden. Statt die neue Wissenschaft vorerst selbst gründlich zu studieren, stutzte sich jeder sie vielmehr nach dem mitgebrachten Standpunkt zurecht, machte sich kurzerhand eine eigne Privatwissenschaft und trat gleich mit der Prätension auf, sie lehren zu wollen. Daher gibt es unter diesen Herren ungefähr soviel Standpunkte wie Köpfe; statt in irgend etwas Klarheit zu bringen, haben sie nur eine arge Konfusion angerichtet – glücklicherweise fast nur unter sich selbst. Solche Bildungselemente, deren erstes Prinzip ist, zu lehren, was sie nicht gelernt haben, kann die Partei gut entbehren.

1879, Zirkularbrief von Marx/Engels an den Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei (zitiert nach MEW 19, S.164f.).