Wertkritikkritik

(Freuden der alten Marx-Lektüre II, Teil 1 hier)

So ist die wertschaffende, abstrakte Arbeit für Rubin als gesellschaftliche Kategorie zu begreifen, in der jedes stoffliche Element fehlt. Wenn dem so ist, dann ist nicht verständlich, wie das Wertgesetz das von Rubin hervorgehobene und sich auf reale Arbeitszeitrelationen beziehende Gleichgewicht mit sich bringen kann. Wie abstrakt auch immer, die Arbeitszeit drückt sich in Produktion aus und die Gesamtproduktion muß der kapitalistisch bestimmten gesellschaftlichen Arbeitsaufteilung entsprechen. Die Vergegenständlichung des Werts setzt die Produktion voraus, so daß der Wert des Naturstoffes und der Arbeit nicht entbehren kann, wenn er auch selbst weder das eine noch das andere ist. Was Rubin sich zu sagen bemüht, ist, daß Gebrauchsgüter in der Warenproduktion erst Wertcharakter annehmen müssen, um sich als Gebrauchsgüter realisieren zu können, daß dies aber nicht eine Notwendigkeit der Produktion ist, sondern eine Eigenart, die sich ausschließlich aus der Warenproduktion ergibt. In dem Sinne ist der Wert ein rein gesellschaftliches Phänomen, da er unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen wegfallen würde, ohne damit die „Ökonomie der Zeit“ zur Bewältigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse aufzuheben.

Aus einer Rezension Paul Matticks zu Rubins „Studien zur Marxschen Werttheorie“, Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Berlin, 10 Jg., Juni 1974, Heft 2, S. 257-261.

Es muß noch bemerkt werden, daß die deutsche Übersetzung [Rubins] aus dem Amerikanischen stark gekürzt ist und daß die ausgelassenen Teile eigentlich zu den besten des Buches gehören.

Et voilà.
Die amerikanische Übersetzung stammt übrigens von Fredy Perlman, der insbesondere zum Kapitel über Warenfetsichsmus eine Einleitung/ einen Kommentar verfasste.