Ontologischer Rückfall revisited

Gestern hatte ich zur Schmidt-Rezension von Enderwitz noch nach einem Foto von Schmidt gesucht, hatte schließlich ein aktuelles Porträt gefunden und verlinkt. Das Foto gehört zu einem in der FAZ (Lokalteil) erschienenen Interview mit dem Philosophen, das zu seinem 80. Geburtstag am 14. September erschienen ist. Ich hatte es gestern nicht gelesen, mittlerweile dies nachgeholt … und muss das wirklich sein?
Um es noch mal zu betonen: Seine Dissertation »Der Begriff der Natur in der Lehre von Karl Marx« (1962) markiert einen Durchbruch in der neueren Marx-Auseinandersetzung – weil er den Entfremdungsbegriff gewissermaßen de-ontologisiert und den »Histomat« aus den Klauen des ML befreit; in den 70er Jahren hat er sich als Materialismus-Forscher u.a. mit scharfen Angriffen auf den Strukturalismus profiliert, von seinen legendäre KAPITAL-Kursen berichtete ich, noch Schmidts Schopenhauer-Studie » Idee und Weltwille : Schopenhauer als Kritiker Hegels« (1988) arbeitet in der Weltgeist-Kritik Schopenhauers einen harten, materialistischen Kern heraus, von dem ausgehend man eine Poltik der Solidarität fundieren könnte. Aber jetzt? Lauwarme Moralsoße, männerbündlerisches Freimauertum, Gottsucherei, Ehrfurcht vor der Philosophie, und alles, was »früher«, also so rund um »1968« war, ist weit weit weg, bloß noch als ganz schwacher Nachhall präsent. Die Dialektik der Aufklärung – praktisch vorgeführt.

FAZ: Wie steht das Freimaurertum zur Religion?
In der Freimaurerei gilt nicht die institutionalisierte, sondern die natürliche Religion. Unsere deistische Auffassung rührt letztlich von der Newtonschen Experimentalphysik her: Wenn der Weltzusammenhang so gesetzmäßig verläuft, dann lässt das auf einen intelligenten Welturheber schließen. Der Weltenbau legt dem vernünftigen Bewusstsein das Vorhandensein eines Gottes nahe. Es geht bei uns um sehr ernste Fragen. Gegenstand dieser Fragen ist der Mensch und was er hier auf Erden soll.

Und die Rituale der Freimaurerei?
Das Ritual öffnet nur das Fenster zur Unendlichkeit, durchgehen muss man selbst. Was mich immer sehr gefreut hat: Von den allermeisten meiner Brüder – wenn ich es nicht durch Zufall erfahren habe – habe ich nie herausgefunden, zu welcher Religion sie sich bekennen. Die Minimalauffassung eines Welturhebers und eines gültigen Sittengesetzes (Kant sagt: Von der Moral komme ich zur Religion, nicht umgekehrt) reicht völlig, um uns zu einer Gruppe von Leuten zu machen, die sich miteinander vertragen.