Prosa des Lebens #12

In Buenos Aires fuhren sie einmal Trambahn, Ascaso und Durruti, und auf einmal merkten sie, daß sie unter ihrem eigenen Steckbrief saßen. Die Regierung hatte ein Kopfgeld ausgesetzt; sie mußten das Land so schnell wie möglich verlassen.
Sie kauften sich Schiffspassagen erster Klasse, und das war sehr schlau von ihnen. Sie kamen ohne weiteres an Bord. Aber dann, als Arbeiter in der Ersten Klasse, ja, vor allem Durruti, der war tapfer und ein prima Kerl, aber ein feiner Herr, Manieren und so weiter, nie! Zum Beispiel am Eingang zum Speisesaal stand ein Laufbursche und nahm den Leuten den Hut ab. Durruti ging einfach an ihm vorbei, die Mütze auf dem Kopf. »Mein Herr, Ihre Mütze, Ihre Mütze!« Durruti ließ ihn stehen und stopfte sich die Mütze in die Tasche. Oder beim Nachtisch, Äpfel und Orangen mit Messer und Gabel schälen, das war nichts für ihn, er schmiß das Besteck einfach weg.
Da sagte sein Freund zu ihm: »Paß auf, die beobachten dich schon. Da ist etwas im Gange. Wir müssen etwas erfinden. Sagen wir einfach, wir sind Artisten!« – »Was? Artisten? Soll ich als Tänzer herumlaufen, oder wie?« – »Nein, das nicht. Aber was machen wir bloß? Ich weiß! Ihr seid eben Sportler, Handballstars!« Und so sind sie auf dem Schiff angetreten, als Handballspieler, eine phantastische Idee. Die Passagiere wurden ganz zutraulich. Als es an die Ausschiffung ging, natürlich die aus der Dritten Klasse wurden haarscharf kontrolliert, aber in der ersten nahmen sie nur den Paß und hauten ihre Stempel rein, bitte sehr mein Herr, und schon waren sie von Bord.


Eugenio Valdenebro
, nach HM Enzenseberger, »Der kurze Sommer der Anarchie« (Frankfurt/M., 1972)

Handballstars
Handballstars: Francisco Ascaso,
Buenaventura Durruti und Gregorio Jover (1927)