Der morgige Aufstand ist auch schon wieder von gestern

Ein Freund hatte mir gegenüber die Vermutung geäußert (mir die Wette angeboten), dass Der kommende Aufstand (zumindest in Deutschland= von der Gegenseite gehypt werden wird und nicht von der Subkultur und erst nicht in den linken Verlautbarungsorganen. Mindestens der Tendenz nach hat er recht, Besprechungen in der Jungle World, in KONKRET, in der Jungen Welt und im AK sind mir noch nicht untergekommen (Debatten im AK verfolge ich allerdings nicht regelmäßig). In der Phase 2 stand auch (noch?) nichts; die Wildcat, sonst immer schnell, wenn es darum geht, auf wichtige revolutionspraktische globale Debatten hinzuweisen, schweigt; auf Blogsport resp. Planet X-Berg habe ich (bis auf den Hinweis, wo man sich die Broschüre – in einer von der Nautilus-Ausgabe abweichenden, etwas ungelenkigeren Übersetzung – herunterladen kann) wenig resp. nichts gefunden.
Immerhin, einen längeren, wohlwollenden, insgesamt eher darstellenden als diskutierenden Text kann man hier lesen, Raum gegen Zement (wer sonst?!) hat eine längere, aus Frankreich stammende Kritik auf seinem Blog dokumentiert.
Mir mag hier und da was durchgegangen sein, aber im Großen und Ganzen ist es das. Auch wenn die deutsche Startauflage angeblich schon vergriffen sein soll (wie hoch war die denn? 2000 Stück?) – in der Subkultur, in der Szene, in den »Zusammenhängen« findet das Manifest, ein Bestseller in Frankreich, der Schweiz, in Griechenland und den USA … nicht statt, zumindest nicht öffentlich. Und so wahnsinnig hochgestochen und irre abgefahren, dass eine Rotte überbildeter Marxisten wochen- und monatelange darüber grübeln müsste, um auch nur irgendwas Substantielles zum »Aufstand« sagen zu können, ist das Manifest nun wiederum nicht. (Lesen Sie Debord durch die Brille Agambens, fühlen Sie sich in Ihrem heimeligen Berliner Kiez mal für einen Moment so richtig unwohl, erinnern Sie sich an Ihre Jugend in Neumünster oder Düren, als Sie ab und an mal einen BILD-Zeitungsautomaten oder ’nen Telefonhäuschen platt gemacht haben, lassen Sie sich von Ihren WG-Mitbewohnern Dante, Rimbaud und Sorel LAUT vorlesen, legen Sie danach Kollaps auf, vergessen auch nicht die ein oder andere stark aufputschende Pille --- dann können Sie das Manifest glatt selber schreiben. Und das alles in einer Nacht!)
So ist der bürgerlichen Presse vorbehalten, für den wohligen Schauer des Entsetzens zu sorgen.

Der Spiegel (bringt Auszüge – und eine kleine Einleitung – auf drei Seiten, noch nicht online)

FAZ bzw. FAS

NZZ

TAZ 1

TAZ 2

Die Zeit I

Die Zeit II

SZ

Arte (Die Doku über die Jugend- und Arbeiteraufstände ist im Prinzip der Film zum Buch.)

Was von dem Buch sonst noch zu halten ist? Steht vielleicht demnächst mal an dieser Stelle.

Die beste, weil präziseste, verständigste, um Kontextualisierung aufrichtig bemühte und auch respektvollste Besprechung stammt freilich von Glenn »Teaparty« Beck. (Achtet auf das feine, maliziöse Lächeln, wenn er »France« ausspricht.)