Archiv für Oktober 2010

Ruhe und Ordnung auf Haiti – eine Erfolgsgeschichte

Jetzt regiert also die Cholera auf Haiti. Die Menschen sind in Panik, manche haben sogar eine Klinik, die Cholera-Patienten pflegt, angegriffen, weil sie die Klinik als Herd weiterer Erkrankungen vermuten. Dass die Cholera um sich greift liegt an den immer noch katastrophalen hygienischen Zuständen (zehn Monate nach dem Erdbeben!). Zudem sind die vielen Unterernährten und HIV-Infizierten zu schwach, als dass ihr Körper sich überhaupt gegen die Cholera wehren könnte.
Was ist da schief gelaufen?, ist die Frage, die nun wieder die periodisch aufwallende Haiti-Berichterstattung beherrscht. Die Frage kennt man auch aus den Reportagen zum Halbjahrestag des verheerenden Erdebebens, die registrieren mussten, wie wenig an Wiederaufbau bislang passiert ist. Oder aus einer Rede Bill Clintons in Port-au-Prince, als er schnelle, unbürokratische Hilfe und einen zügigen (auch politischen) Wiederaufbau versprach und sich verdruckst für die neoliberale Handelspolitik entschuldigte, die Haiti bereits in den Jahren vor dem Erdbeben regelrecht verwüstete1.
Ja, was läuft da schief – in einem Land von der Größe Brandenburgs, das seit 2004 de facto ein Protektorat der UN ist und das nach dem Erdbeben u.a. von 14.000 US-Soldaten geflutet wurde? Wie ist es angesichts dieser geballten Militärkraft (die doch wohl die Rettungsaktionen und die Wiederaufbaumaßnahmen wenn nicht selbst durchführen, so doch zumindest flankieren müssten) möglich, dass so wenig passiert?
Die Frage ist falsch gestellt. Es passiert doch tatsächlich eine Menge, ja, vielleicht das Wichtigste, was die westliche Welt so zu bieten hat: die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. Von dieser Friedhofsstille wusste zum Beispiel Kevin Pina, Regisseur des Dokumentarfilms »Haiti. We must kill the bandits« (2007), zu berichten, als er auf die Rolle der lateinamerikanischen UN-Soldaten des MINUSTAH-Einsatzes (Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti) einging:

Es gibt eine direkte Parallele zwischen der militärischen Taktik, die UN-Truppen unter dem Kommando brasilianische Generäle in Haiti verfolgen und ähnlichen militärischen Operationen in ihrem eigenen Land. Es handelt sich um dieselben Kommandeure, die den Soldaten in den Favelas von Sao Paolo und Rio de Janeiro Schießbefehle erteilen. Ein Bericht von Amnesty International über ›Todesschwadronen‹ in Rio de Janeiro und Sao Paolo legt dar, dass die brasilianische Militärpolizei bei ihren Einsätzen in den Favelas zum Mittel der ›Invasion‹ greift – gewaltsame Massenrazzien, die häufig gar nicht begründet werden und gleich die ganze Community pauschal für kriminell erklären. Die Mehrheit der Opfer dieser Polizeigewalt sind arme schwarze oder farbige Jugendliche. Als auf Haiti Demonstranten durch die Forderung nach einer Rückkehr von Präsident Aristide die Autorität der UNO herausforderten, haben ähnliche Taktiken im Slum von Cité Soleil zu mehreren schweren Massakern geführt. Jedes Mal wurden sämtliche Einwohner des Viertels von den Vereinten Nationen und der bürgerlichen Presse als Verbrecher und Gangster oder als deren Helfershelfer bezeichnet.

Aber eines der erschütterndsten Ereignisse aus der Zeit nach dem Erdbeben gibt der Schriftsteller, Publizist und Haiti-Kenner Hans Christoph Buch wieder2. Der Terror hat nie aufgehört.

Nichts charakterisiert die chaotische Situation Haitis besser als die Tatsache, dass 4000 Häftlinge am 12. Januar in Port-au-Prince aus dem Zuchthaus flohen, rechtskräftig verurteilte Mörder, aber auch Unschuldige, die seit Jahren auf ihren Prozess warteten – allen voran der Gefängnisdirektor, der sich auf diesem Weg kritische Fragen entzog. Die Zeche für den Massenausbruch zahlten andere Häftlinge in Les Cayes im Süden Haitis, die während des Bebens zu meutern begannen, weil sie den Einsturz des baufälligen Gebäudes befürchteten. Daraufhin wurde das Gelände von UN-Truppen umstellt: Haitianische Polizisten feuerten in die mit Häftlingen überbelegten Zellen, töteten neunzehn wehrlose Menschen und verletzten Dutzende. Der Gefängnisdirektor wurde belobigt und befördert, die Toten verscharrt und ihre Habe verbrannt, um das Blutbad zu vertuschen, dessen Aufdeckung Reportern der New York Times zu verdanken ist.

  1. Verwüstung ist wörtlich zu nehmen: die diktierte Monokultur in der Agrarwirtschaft führte zur anhaltenden Auslaugung und schließlich Erosion der Böden, die letzten Wälder wurden abgeholzt. Das alles leistet Erdrutschen Vorschub, die nach dem Erdbeben viele Menschen unter sich begruben. Zudem provoziert die anhaltende Armut auf dem Land eine anhaltende Stadtflucht – in jene Städte, die bereits überlaufen sind und über keine gesicherte Infrastruktur verfügen. Ein Erdbeben von einer gewissen Stärke trifft diese Städte und ihre Bewohner, insbesondere Port-au-Prince, tödlich. [zurück]
  2. Die Passage findet sich im Vorspann zu seinem »neuen« Buch »Haiti. Nachruf auf einen gescheiterten Staat« (Wagenbach), das in Wirklichkeit eine verschleierte Neuausgabe seines – in der Tat sehr verdienstvollen – Frühwerks »Die Scheidung von San Domingo. Wie die Negersklaven von Haiti Robespierre beim Wort nahmen« (1976, ebenfalls Wagenbach) ist. [zurück]

Der Staat als Klassen-Staat

Ein Freund ist bei seinen Recherchen zu den amerikanischen Radikalen Frances Fox Piven und Richard A. Cloward, die in zahlreichen Werken bis in die Gegenwart eine sehr erhellende anarchistisch-luxemburgistische Organisationskritik unternommen haben, auf ein Zitat von Adam Smith gestoßen, das mal eben ein Großteil quälenden »marxistischen« Staatsgrübelei verdampfen lässt.
Es stammt aus den staatsrechtlichen Vorlesungen, die der Universalgelehrte Smith in den 1760er Jahren in Glasgow gehalten hat (und die erst 1896 erstmals in Buchform erschien, eine zeitgenössische Edition wurde u.a. von dem Marxisten Ronald L. Meek betreut und kam 1978 heraus, eine deutsche Auswahl kann man seit einigen Jahren unter dem Titel »Vorlesungen über Rechts- und Staatswissenschaften« [Academia-Verlag, St. Augustin] lesen).

Laws and governments may be considered in this and indeed in every case as a combination of the rich to oppress the poor, and preserve to themselves the inequality of the goods which would otherwise be soon destroyed by the attacks of the poor, who if not hindered by the government would soon reduce the others to an equality with themselves by open violence.

Und weiter:

The government and laws hinder the poor from ever acquiring the wealth by violence which they would otherwise exert on the rich; they tell them they must either continue poor or acquire wealth in the same manner as they have done.

Die Ableitung des Staates aus dem permanenten Klassenkampf – einfach und klar. Marx, der diese Passage nicht kennen konnte (s.o.), wusste schon, was er an Smith hatte. Obige Passagen stammen aus den 1762/63er-Vorlesungen, etwa vier Jahre später äußerte Smith sich so, das Zitat erlangte in der englischsprachigen Literatur zu Smith eine gewisse Beachtung:

Till there be property there can be no government, the very end of which is to secure wealth, and to defend-the rich from the poor.

Tja, da kriegt die Linke schon mal Fracksausen, darf der Smith das überhaupt? So unverblümt den bürgerlichen Staat als Klassenstaat darstellen? [Smith, Einschub für die Ideengeschichtler unter uns, konnte sich auf gewisse Formulierungen John Lockes stützen und kannte nachweislich das Werk Rousseaus »Abhandlung über die Ungleichheit«.] Heutzutage müsste sich Smith anhören, dass er den Staat auf eine Repressions- und Bürgerkriegsmaschine »verkürzt«, wäre aber der Klassenstaat reine Repression – die Sicherung des großen Eigentums vor den Begehrlichkeiten der Subalternen ist natürlich genau dies –, ihm wäre kein große Lebensdauer vergönnt. Er befände sich in einem permanenten Bürgerkrieg und könnte andere Aufgaben, z.B. die Verteidigung der Nation vor äußeren Feinden, gar nicht wahrnehmen. Die Tatsache, dass der Staat scheinbar reale oder real scheinbare klassenübergreifende Aufgaben wahrnimmt – Bau von Straßen und anderen Infrastruktur-Projekten, Regelung der Erziehung und Gesundheit etc.pp. – verträgt sich ja wohl auch schlecht mit der reinen oder primären Repressionsfunktion.
Marxisten sind übrigens häufig genug selbst auf den Anschein der Klassenneutralität des Staates hereingefallen. Sei es, dass sie den Staat unbedingt GEGEN das Kapital verteidigen oder aber ihn als HEBEL für den Sozialismus einsetzen wollten (die genuin sozialdemokratische, 3-Welt-romantische, stalinoleninistische Sichtweise).
Smith ist aber weit davon entfernt, einer quasi-bakunistischen Staatskritik das Wort zu reden. »The government and laws hinder the poor from ever acquiring the wealth by violence which they would otherwise exert on the rich; they tell them they must either continue poor or acquire wealth in the same manner as they have done.« (Hervorhebung Ofenschlot). Damit impliziert er – und an anderen Stellen seines Werkes führt er den Gedanken noch aus –, dass der Staat den Anschein der Möglichkeit schafft, auch die Armen können »es schaffen«. Weiter gedacht: Der Staat garantiert all seinen Staatsbürgern den Verfolg ihrer Interessen – auf Grundlage der bestehenden Eigentumsordnung. Aus dieser garantierten Egalität bezieht er seine Legitimität.
Umgekehrt ist es die bestehende Eigentumsordnung, die die Menschen aus unmittelbarer Naturnot (und Naturbindung) befreit hat und sie in den Stand versetzt, weitergehende Interessens (als die des bloßen Überlebens) zu entdecken und verwirklichen zu wollen. So entsteht ein politisches Perpetuum Mobile. »Die Armen« (Smith konnte noch keine Proleten kennne) sind zwar vom spezifischen Eigentum der Reichen ausgeschlossen, was ihre Armut bedingt. Gleichzeitig garantiert ihnen aber der Staat ebenfalls das Streben nach Glück und Reichtum – und damit die Möglichkeit, etwas an ihrer Armut zu ändern. Soweit die Ideologie.
Smith’ Verdienst besteht darin, auszusprechen, dass diese Ideologie niemals so tief reicht, wie das Gewaltverhältnis, das dem Ausschluss der Armen vorangeht und dauerhaft ummantelt. Wehe, die Armen finden sich einmal nicht mit den staatlich eingeräumten Möglichkeiten des Glückstrebens ab …

Der Wert des Kompromisses

Zufall oder »Zufall«? Junge Welt meets Ofenschlot?
Die Junge Welt bringt in ihrer vergangenen Wochenendausgabe einen längen Auszug aus Lenins »Der ›linke Radikalismus‹ eine Kinderkrankheit im Kommunismus«1 und moderiert den Text entsprechend an: »1920 setzte sich Lenin mit der These ›linker‹ Kommunisten auseinander, in der Politik dürften keine Kompromisse eingegangen werden«, so als würde es sich bei dem Abdruck um eine Antwort auf unsere Dokumentation von Bordigas »Der Wert der Isolierung« handeln.

Tatsächlich richtete sich Lenins Schrift auch gegen den Abstentionismus – den Wahlboykott und die konsequente Weigerung, in den Institutionen des bürgerlichen Staates mitzuarbeiten, pardon, zu »agitieren« – der kommunistischen Fraktion in der damals noch nicht gespaltenen, der III. Internationale angehörenden Sozialistischen Partei Italiens. Bordiga war der herausragende Sprecher dieser »wahlboykottistischen« Fraktion.

Aber es ist natürlich ein Zufall. Die Junge Welt reagiert nicht auf Ofenschlot, sondern viel eher darauf, dass es eine hartnäckige, kleine linksradikale Szene gibt, die der Jungen Welt ihr angebliche kommunistische Opposition bestreitet (einige aus dieser Szene haben in den vergangenen Jahren auch für die Junge Welt geschrieben – so viel zum Thema Kompromisse –, wurden aber schließlich doch rausgeekelt).

Aber zum Text Lenins selber – und seiner Präsentation. Schon wieder gibt es eine subtile Verfälschung (wir haben kürzlich erst hier auf einen besonders ekligen Zug hingewiesen): Sie schreiben von »linken« Kommunisten, also in Anführungszeichen, ironisieren damit deren Linkssein. In Worte übersetzt müsste es demnach heißen: angeblich linke Kommunisten; oder: sogenannte linke Kommunisten. Diese Anführungszeichen spiegeln aber nicht die Wahrheit: diese Linkskommunisten waren ihrem eigenen Anspruch gar keine, sondern wurden – im Zuge der Bolschewisierung und der Parteisäuberungen – erst dazu gemacht. Die Etikettierung stammt nicht von Bordiga oder Anton Pannekoek (auch eine Zielscheibe von Lenins Polemik), sondern von denen, die die Missbeliebigen stigmatisieren wollten. Die später von Pannekoek oder Bordiga inspirierten Gruppen haben sich denn auch nicht »linkskommunistisch«genannt, sondern internationale resp. internationalistische Kommunisten. Was die Junge Welt in Anführungszeichen setzt, ist keine Selbstbezeichnung, sondern eine Zuschreibung.

Lenin schrammt, zumindest in dieser dokumentierten Passage, harrt an der Phrase vorbei (»Man muß selbst einen Kopf auf den Schultern haben, um sich in jedem einzelnen Fall zurechtzufinden.« Ach nee…), macht aber doch klar, in der ihm eigentümlich, häufig doch arg formalistischen Ausdrucksweise, dass es den revolutionären Kompromiss geben kann, jenen nämlich, den aufständischer Arbeiter einzugehen gezwungen sind, weil ein Weiterführen des Kampfes zur Zerstörung nicht der gegnerischen, sondern der eigenen Kräfte führen würde: Es ist dies ein Kompromiss, der nicht eine »wahre Reform« anzeigt und keine Etappe im friedlichen Stück-für-Stück-Hineinwachsen in den Sozialismus ist, sondern der die Grenze zwischen den eigenen Truppen und denen des Kapitals neu festlegt und scharf zeichnet; eine Grenze, hinter der sich die Truppen geordnet aufstellen können, um bei der nächsten günstigen Gelegenheit wieder losschlagen zu können.

Genau diese Art des Kompromisses hat der orthodoxe Marxist Bordiga immer begrüßt, und er hat Lenin deshalb für einen großen Kommunisten gehalten, weil dieser in der Lage war, solche Kompromisse zu schließen. Mit dem Friedensschluss von Brest-Litowsk, mit dem sich die junge Sowjetunion aus dem ersten Weltkrieg verabschiedete und der an der Ostfront das Deutsche Reich als Sieger und auch Besatzer anerkannte, verstieß Lenin gegen seine eigene Doktrin, den Weltkrieg in einen Klassenkrieg umzuwandeln – und verschaffte der Revolution die dringend benötigte Atempause.2
Genau diese Art des Kompromisses verteidigte Bordiga in Schriften wie »Der Wert der Isolierung«, Kompromisse sind dann sinnvoll, wenn die Initiative bei den Kommunisten bleibt, wenn sie selbst die Kraft zum Kompromiss haben und die Übersicht über seine Reichweite, seine Implikationen besitzen.

In anderen Fragen korrigierte Bordiga Lenin (bis zu diesem Punkt kommt freilich kein Junge-Welt-Redaktor), etwa in der Frage der Wahlbeteiligung. Bordiga hatte stets den Weltpartei-Charakter der Komintern betont, was eine gewisse Unterordnung der russischen Kommunisten unter diese Weltpartei bedeutete und was weiter implizierte, dass die Erfahrungen der russischen Revolution kein universales Revolutionsmodell hergeben – können! Bordiga hat ein Hineintragen des Kampfes in die bürgerlichen Staatsapparate (à la ›das Parlament als Tribüne revolutionärer Propaganda nutzen‹) für die Länder, in denen das Bürgertum schon lange regiert und somit über eine gewachsene Erfahrung in der Verteidigung der eigenen Macht verfügt – Länder wie Deutschland, England, Frankreich, Italien …– für illusorisch erachtet.

Vierzig Jahre später widmete Bordiga Lenins Traktat eine eigene Abhandlung, in der er das hier skizzierte und polemisch von den Intentionen der sozialdemokratisch-stalinistischen Jungen Welt abgegrenzte noch einmal in extenso entfaltete: »Lenins Schrift ›DER ‚LINKE RADIKALISMUS‘, DIE KINDERKRANKHEIT IM KOMMUNISMUS‹ – Die Verurteilung der künftigen Renegaten«, darin das Kapitel »Der Schlüssel für die ›von Lenin erlaubten Kompromisse‹« (siehe Anm. 2).
Und noch einmal zehn Jahre später, in einem Interview, das sein Vermächtnis wurde, antwortete Bordiga exemplarisch und erwähnt jene schwachen und stumpfen Schüler Lenins, deren legitime Nachfahren u.a. die Redaktionsräume der Jungen Welt bevölkern:

Die Anschuldigung, sektiererisch und zu wenig flexibel zu sein, bekam ich oft zu hören, aber sie haben mich nie vom Weg, von dem ich überzeugt und nicht abzubringen war, abweichen lassen. Die Anschuldigungen sind auf den Moskauer Kongressen nie von Lenin vorgebracht worden, sondern von seinen sklavischen Nachahmern, die vielleicht willens, aber doch sehr weit davon entfernt waren, den wirklichen Inhalt seines Denkens zu erfassen. Ich glaube, dies in meiner Schrift über den ›Linken Radikalismus‹ Lenins sowie über die falschen Überlegungen, die die späteren Renegaten darüber anstellten, richtig erläutert zu haben. Wenn es stimmt, dass man der Klassenrevolution nicht durch ein banales konspiratives Komplott näher kommen kann, wie es in den Revolutionen der Fall ist, die nur darauf abzielen, einen Führer durch einen anderen zu ersetzen, muss man auch erkennen, dass es besser ist, wenn die Klassenpartei die strenge Form einer ›Sekte‹ annimmt statt hinzunehmen, dass sich das durch strenge Disziplin geprägte Verhältnis ihrer starken zentralisierten Organisation in einen losen Zusammenhang auflöst, in dem jedem Mitglied oder jeder Basisgruppe immer wieder erlaubt ist, im Namen der Partei aus dem Stegreif hervorgebrachte und unbeherrschbare Aktionen vorzuschlagen und auszuprobieren: Aktionen, die trügerischerweise angeraten zu sein scheinen, weil sie sich den mit politischem Geschick Begabten als durch neue Umstände bedingte Opportunität darbieten. An die Stelle der unflexiblen Ernsthaftigkeit, der der revolutionäre Kämpfer verpflichtet ist, tritt so eine Reihe akrobatischer Verrenkungen oder wie man zu sagen pflegt: jäher Meinungsänderungen – was nichts weiter als eine beleidigende Parodie auf das Andenken Lenins ist, da man den Respekt vor der ›Elastizität‹ von Manövern mit einer solchen Reihe erbärmlicher Umschwünge verwechselt, die nur schwache und stumpfe Schüler gewagt haben, Lenin zuzuschreiben.

  1. Da die Junge Welt nach einer gewissen Zeit ihre Online-Angebote entfernt, hier die Quellenangabe: Lenin Werke, Band 31, Berlin (DDR) 1966, S. 52-54. [zurück]
  2. »Lenin zählt die verschiedenen Übereinkünfte, die die Bolschewiki bis zur Revolution mit den Menschewiki und den Volkstümlern schlossen, auf und rechtfertigt sie mit dem Beispiel der schrecklichen Niederlage und Auflösung dieser Parteien. Schließlich nimmt er sich mit seiner ganzen polemischen Kunst des berühmtesten Kompromisses an, des Kompromisses mit den linken Sozialrevolutionären, einer Partei der kleinbürgerlichen Bauernschaft, zum Zeitpunkt nach der Oktoberrevolution. Wir übernahmen – schreibt er – voll und ganz das Agrarprogramm der Sozial revolutionäre. Dieser ›Block‹ wurde nach der Machteroberung verwirklicht, nach der bürgerlichen Zeit – er sicherte die Mehrheit in den Sowjets und ermöglichte das Auseinanderjagen der Konstituante. Dieser letzte Block wurde von den Sozialrevolutionären selbst gesprengt, die mit dem Frieden von Brest-Litowsk nicht einverstanden waren: Die Verbündeten sprengten den Block aus ›Unnachgiebigkeit‹, aus ›Hass vor Kompromissen‹. Während man in der bolschewistischen Partei selbst an den Rand einer Spaltung gelangt war, versuchten die Ex-Verbündeten einen Aufstand gegen die Bolschewiki zu entfesseln, und man musste sie unterdrücken. Im Laufe dieser ganzen Reihe von dramatischen Ereignissen blieb Lenin immer auf der Linie des revolutionären Marxismus. Die ›Linksradikalen‹ konnten ihn nicht verstehen, wir in Italien waren aber mit ihm, selbst als es noch keine direkten Verbindungen gab. Es handelte sich – erklärt Lenin – um den Kompromiss mit einer ganzen nichtproletarischen Klasse, mit der kleinbürgerlichen Bauernschaft. Dieser Kompromiss gelang, und die Bauern hielten im epischen Kampf gegen die Weißen aller Richtungen, die sie von den städtischen Arbeitern abspalten wollten, ihre revolutionäre Verpflichtung ein. Aber Lenin führte alle diese schwierigen Manöver, ohne ein Komma an der marxistischen Agrartheorie zu ändern und ohne das Endziel eine Sekunde lang aus dem Auge zu verlieren. Erst unter Stalin wurde das Ziel umgekehrt und verraten, erst unter ihm wurde die Vorherrschaft des Proletariats über die Bauernschaft vernichtet, um schließlich die kleinbürgerliche Organisation der Kolchosen ins Leben zu rufen. An Stelle des elastischen revolutionären Manövers traten die Kapitulation und der Verrat, die aus Russland ein nichtproletarisches Land, ein Land, das von kleinbürgerlichen Dienern des Weltkapitals regiert wird, machten. Und die ›Theorie‹ der friedlichen Koexistenz ist Ausdruck jener Art von Kompromissen, die Lenin in seiner Untersuchung als Verrat bezeichnet.«
    Aus: Amadeo Bordiga, »Der Schlüssel für die ›von Lenin erlaubten Kompromisse‹« (1960), Hervorhebung von Ofenschlot. [zurück]

Fürchtet euch nicht!

In Jalisco kennt man keine Angst vor dem Tod

In Mexiko im See von Patzcuaro liegt die kleine Insel Jalisco.

Auf 2350 Meter Höhe bietet sich den Besuchern eine erstaunliche Landschaft: stilles Gewässer, zerklüftete Berge, ein Himmel, der so nah scheint, als könnte man ihn fast mit den Händen greifen. Die Tarasken, Nachkommen einer stolzen Indianerrasse, kämpften gegen die spanischen Eroberer. Sie wurden geschlagen und übernahmen die christliche Religion der Eindringlinge; aber die von ihnen verehrten Heiligen haben die Züge der alten Gottheiten Sonne, Wasser, Feuer und Mond behalten. Die Tarasken sind geschickt bei der Lederbearbeitung, beim Holzschnitt, bei Tonarbeiten und der Wollweberei – und auch als Fischer. Wenn sie ihre seltsam geformten, wie Riesenschmetterlinge aussehenden Netze einholen, sind sie immer prallgefüllt mit Fischen. Jedoch, wie arbeitsam auch immer, sind die Tarasken noch sehr primitiv. In der Tat betrachten sie das Leben als einen Übergangszustand, als einen kurzen Moment, den man durchmachen muss, um die Glückseligkeit des Todes zu erreichen. Der Tod ist kein unabwendbares Schicksal mehr; im Gegenteil wird er als ein Gut, als das einzige wirklich unschätzbare Gut betrachtet. Das ist der Grund, weshalb für die Einwohner Jaliscos der »Tag der Toten« kein trauriger Tag ist. Früh morgens beginnt eine Feier. Die Häuser werden geschmückt und die Bilder der Heiligen mit Spitzen und Papierblumen verziert. Die aufgestellten Porträts der Toten werden von zahllosen Kerzen beleuchtet. Die Frauen bereiten die Lieblingsspeisen der verstorbenen Verwandten zu, damit diese sich freuen, wenn die Lebenden sie besuchen.

Auf dem Friedhof hinter der Kirche werden die Gräber, die meistens keine Namen tragen, geschmückt. In Jalisco gibt es keine Grabinschriften! Aber das heißt nicht, dass die Toten vergessen werden. Der Weg, der vom Friedhof zum Dorf führt, ist mit Blütenblättern bedeckt, damit die Toten den Weg nach Hause leicht finden können.

Am »Tag der Toten« machen sich die Frauen Jaliscos schön. Sie kämmen ihre langen dunklen Zöpfe und legen sich Silberschmuck an. Die Tracht besteht aus einem langen, roten, schwarzumrandeten Rock mit breiten Falten. Die bestickte Bluse verschwindet unter dem »Reboso«, der Kopf und Schultern bedeckt und aus dem oft der kleine Kopf der Neugeborenen herausguckt. Um Mitternacht gehen die Frauen alle zusammen zum Friedhof und knien nieder, um für ihre lieben Toten zu beten. Sie zünden Kerzen an: die großen zum Gedenken an die Erwachsenen und die kleinen für die, die dieses »Tal der Tränen« schon früh verlassen haben. Dann geben sie sich einer Meditation hin, die nach und nach mit Worten begleitet wird. So fängt eine Litanei an, die nicht traurig klingt, sondern die Zusammengehörigkeit der Lebenden und der Toten ausdrückt.

Währenddessen versammeln sich die im Dorf zurückgebliebenen Männer in der Nähe der Kirche, wo ein schwarzer Altar aufgebaut wurde – er ist den Toten gewidmet, die niemanden mehr haben, der für sie beten kann. Im Morgengrauen kehren sie nach Hause zurück, während ihre Frauen, die die Nacht über auf dem Friedhof gewacht haben, halbversteckt in ihrem »Reboso« zur Messe gehen. So verläuft in Jalisco der »Tag der Toten«. Auf den Gesichtern der Dorfbewohner sieht man keine Trauer, sondern die freudige Erwartung auf den Besuch ihrer Liebsten.

    ++++++++++++++++++++++++++++++++++

Wir haben diesen Artikel mit seinem Originaltitel aus einer italienischen Kinderzeitschrift wortwörtlich übernommen. Es ist eines der zahllosen aufgewärmten Machwerke der US-amerikanischen Kultur, die von einer Zeitung oder Zeitschrift zur nächsten aufgegriffen werden, wobei die Schreiberlinge auf nichts anderes achten als auf den größtmöglichen Effekt. Der x-te Abschreiber hat nicht mal den tiefen Sinn erkannt, den dieser Artikel – wie konformistisch die Form auch immer – verbirgt.

Demnach würden die edlen mexikanischen Völker, die sich unter dem erbarmungslosen Terror der spanischen Eroberer zum Katholizismus bekehrten, den Beweis erbringen, dass sie »primitiv« geblieben sind, weil sie vor dem Tod weder Angst noch Abscheu zeigen.

Diese Volksstämme waren im Gegenteil die Erben einer für die damaligen wie für die heutigen Christen unverständlichen Zivilisation, die auf den Urkommunismus zurückgeht. Der abgeschmackte moderne Individualismus kann nur in eine grobe Verwunderung verfallen, wenn sogar in diesem blassen Text zu lesen ist, dass Grabsteine keine Inschriften tragen und dass den Toten, um die keiner trauert, Speisen zubereitet werden. »Unbekannte Tote« sind sie nicht, weil eine hohle und phrasenhafte Demagogie es so sagt, sondern durch die machtvolle Einfachheit eines Lebens, das Leben der Gattung und Leben für die Gattung ist, ewig wie die Natur und nicht wie ein Schwarm von dummen, im »jenseits« herumschweifenden Seelen, und das sich für seine Entwicklung die Erfahrungen der Toten, der Lebenden und der Ungeborenen zunutze macht – in einer geschichtlichen Abfolge, deren Verlauf in allen Momenten des materiellen Zyklus nicht Trauer sondern Freude ist.

Sogar in ihrer Symbolik sind diese Gebräuche edler als die unsrigen: so z.B. die Frauen, die sich für die Toten schön machen und nicht für die Geldsäcke unter den Lebenden wie in der kapitalistischen Kloake, in der wir alle versunken sind.

Dass unter der Hülle der grauenhaften katholischen Heiligen noch die uralte Form der nicht unmenschlichen Gottheiten – wie die Sonne – lebt, erinnert an die bis zu uns gelangten Kenntnisse (wie entstellt auch immer) von der Inkazivilisation, die Marx bewunderte. Obwohl sie einer nach Menschenblut verlangenden Sonne die schönsten Exemplare der jungen Generation opferten, waren die Inkas nicht primitiv und grausam; vielmehr erkannten diese Gemeinschaften intuitiv den Lebensfluss in der Energie, die ein und dieselbe ist, wenn sie sich von der Sonne auf den Planeten ergießt und wenn sie, in den Adern des lebenden Menschen fließend, Einheit und Liebe in der geeinten Gattung wird; eine Gattung, die, solange sie nicht dem Aberglauben der persönlichen Seele mit ihrer frommen Bilanz von Soll und Haben – Überbau der monetären Käuflichkeit – verfällt, sich vor dem Tod nicht fürchtet und weiß, dass der Tod des einzelnen eine Freudenhymne und ein fruchtbarer Beitrag zum Leben der Menschheit sein kann.

Im naturwüchsigen Urkommunismus (selbst wenn die Menschheit auf die Horde begrenzt war) hatte der einzelne nicht zum Ziel, seinem Nächsten Güter zu entreißen; vielmehr war er bereit, sich ohne jegliche Angst für das Überleben der großen Phratrie zu opfern. Saudumm ist die Legende, die diese Form auf den Schrecken zurückführt, den ein blutrünstiger Gott einflößen würde.

In der Form des Tausches, des Geldes und der Klassen verschwindet der Sinn für das Fortleben der Gattung zugunsten des abartigen Sinnes für den Fortbestand des Spargroschens, dessen Ausdruck die Unsterblichkeit der Seele ist, die ihre Glückseligkeit außerhalb der Natur mit dem Gott »Wucher« vertraglich abschließt. Ausgerechnet in den Gesellschaften, die behaupten, die Barbarei durch die Zivilisation abgelöst zu haben, fürchtet man sich vor dem persönlichen Tod und macht einen Kniefall vor Mumien – sogar vor den Moskauer Mausoleen mit ihrer scheußlichen Geschichte.

Im Kommunismus – eine wissenschaftliche Gewissheit, obwohl noch nicht geschehen – wird die Identität des Individuums und seines Schicksals mit der Gattung zurückerobert, nachdem innerhalb der Menschheit alle Grenzen und Trennungen wie: Familie, Rasse und Nation beseitigt worden sind. Nach diesem Sieg endet jede Furcht vor dem persönlichen Tod; erst dann verschwindet jeglicher Kult des Lebendigen und des Toten, da sich die Gesellschaft zum ersten Mal auf der Basis des Wohlseins, der Freude und der Reduzierung des Schmerzes, des Leides und des Opfers auf ein rationales Minimum organisiert und der harmonischen Abfolge der Generationen – naturwüchsige Bedingung der Prosperität der Gattung – jeglichen mysteriösen und unheimlichen Charakter genommen hat.

Amadeo Bordiga, aus »Il Programma Comunista«, Nr. 23, 15.12.1961 [Übersetzung: Kollektiv H]

Wie die Anarchisten einmal allein gelassen wurden …

Großer Lacherfolg.
In der Jungen Welt wird der Film über den spanisch-französischen Anarchisten, den legendären Pass- und Geldfälscher Lucio Urtubia besprochen, der jetzt in ausgewählten Programmkinos zu sehen ist und auf einer kleinen Vortragsreise vom bald achtzigjährigen Urtubia persönlich vorgesellt wird. Der Artikel ist mit »Kleines Fälscher-ABC« betitelt, und eine Fälschung, genauer: eine Verfälschung ist der Artikel selbst. Auch eine Unverschämtheit: Wird Urtubia in dem Text doch konsequent als Lucio angesprochen (man erfährt den Nachnamen nicht), man erfährt auch nichts von seiner Autobiographie, die der eigentliche Anlass seiner Rundreise ist.
Aber der Knüller an dieser Besprechung ist unten stehender Satz, an dem man merkt, dass der Stalinismus der Jungen Welt durchschlägt – ob freiwillig oder unfreiwillig, bewusst oder unbewusst , ist ganz egal, wobei man ruhig unterstellen darf, dass die Redaktion um den Spitzel Arnold Schölzel perfide genug ist, wirklich jede noch so kleine Abweichung vom historischen stalinistischen Mainstream zurecht zu biegen. Stalinismus ist ja in erster Linie eine Art radikaler Konstruktivismus: Retuschieren, Auskratzen, Wegschneiden, Verschweigen, Hinzudichten… as they like.
So lautet der Satz: »Es geht um Zeiten, in denen die Anarchisten eine ernst zu nehmende gesellschaftliche Kraft darstellten, im Spanischen Bürgerkrieg zum Beispiel, bevor sie von der Sowjetunion alleingelassen wurden. Doch das ist eine andere Geschichte.«
Ja, das ist eine andere Geschichte, vielleicht eine Komödie, in der sich alle dicke Stalin-Schnurrbärte ankleben und mit Eispickeln aufeinander losgehen.
Soso, die Anarchisten wurden alleine gelassen, damals 1937, in Barcelona zum Beispiel. Dabei gab es doch so viel zärtliche Betreuung durch die Militärberater der SU: Folterkeller, GPU-Agenten im Einsatz hinter der Front, Erschießungskommandos, das ganze Programm halt. »Was Katalonien betrifft, so hat der Reinigungsprozess gegen Trotzkisten und Anarchosyndikalisten bereits begonnen; er wird mit der selben Energie durchgeführt werden wie in der Sowjetunion.« (Prawda vom 17.12.1936)

+++

»And then began the normal life, that is, the terror of the Moscow-Fascists.« So fängt eine Polemik des aus Berlin stammenden, 1926 in die USA ausgewanderten Rätekommunisten Paul Mattick an, die er 1937 in der von ihm redigierten International Council Correspondence veröffentlichte und mit der er auf den stalinistischen Putsch in Barcelona und das Einknicken der anarchistischen Organisationen reagiert.
Wir dokumentieren diesen Text, der vor allem die elende Kollaboration der damals so mächtigen anarchistischen Gewerkschaft CNT mit dem System des Klassenverrats auseinandernimmt, nicht weil er »die richtige Antwort« auf eine lächerliche Ankündigung/Besprechung in der Jungen Welt ist. Es geht um das Zentralthema der Klassenkollaboration, des Ausverkaufs der Revolution an Parteien, Gewerkschaften und ihre Funktionäre. Stark an dem Text ist die Vehemenz und Klarheit in der Argumentation, mit der Mattick dem Mythos entgegentritt, dass eine unbedingte, autonome Klassenposition zwangsläufig (weil: sektiererisch) in der Niederlage der anti-francistischen Kräfte enden würde. Es ist gerade kein Maximalismus, den Mattick vertritt, hinter der Polemik tritt eine nüchterne Bestandsaufnahme hervor: »The workers‘ revolution must be radical from the very outset, or it will be lost.«

»The Barricades Must Be Torn Down«: Moscow-Fascism in Spain

On May 7, 1937, the CNT-FAl of Barcelona broadcast the following order: »The barricades must be torn down! The hours of crisis have passed. Calm must be established. But rumors are circulating throughout the city, contradicting the reports of a return to normality such as we are now issuing. The barricades are a contributing factor to this confusion. We don‘t need the barricades now that fighting has stopped, the barricades serve no purpose now, and their continued existence might give the impression that we wish to return to the previous state of affairs – and that is not true, Comrades, let us cooperate for the reestablishment of a completely normal civil life. Everything that hinders such a return must disappear.« And then began the normal life, that is, the terror of the Moscow-Fascists.

Murder and imprisonment of revolutionary workers, the disarming of the revolutionary forces, the silencing of their papers, their radio stations, the elimination of all positions they had previously attained. Counter-Revolution triumphed in Catalonia, where, as we were so often assured by the anarchist leaders and these of the POUM, they were already on the March towards socialism. The counter-revolutionary forces of the People’s Front were welcomed by the anarchist leaders. The victims were supposed to hail their butchers. »When an attempt was made to find a solution and reestablish order in Barcelona«, we read in a CNT bulletin, »the CNT and FAI were the first to offer their collaboration; they were the first to put forward the demand to stop the shooting and try to pacify Barcelona. When the Central government took over public order, the CNT was among the first to put at the disposal of the representative of public order all the forces under its control. When the Central government decided to send armed force to Barcelona, in order to control the political forces which would not obey the public authorities, the CNT was once more the one to order all the districts to facilitate the passage of these forces, that they might reach Barcelona and establish order.«

Yes, the CNT has done the utmost to help to carry the Valencia counter-revolution into Barcelona. The imprisoned workers may thank their anarchist leaders for their confinement, which ends before the firing sounds of the Moscow-Fascists. The dead workers are removed together with their barricades; they were silenced so that their leaders might continue to talk. What excitement on the part of the neo-Bolsheviks: »Moscow has murdered revolutionary workers«, they shout. »For the first time in its history, the Third International is shooting from the other side of the barricades. Before this time it had only betrayed the cause, but now openly fighting against communism.« And what did these angry shouters expect from state capitalist Russia and its Foreign Legion? Help for the Spanish workers? Capitalism in all forms has only one answer for workers opposed to exploitation: murder. A united front with the socialists or with the party-»communists«, is a united front with capitalism, which can only be a united front for capitalism. Where is no use in scolding Moscow, there is no sense in criticizing the socialists: both must be fought to the end. But now, the revolutionary workers must recognize that also the anarchist leaders, that also the »apparatchiks« of the CNT and FAI oppose the interests of the workers, belong to the enemy camp. United with capitalism they had to serve capitalism; and where phrases were powerless, betrayal became the order of the day. Tomorrow they may be shooting against rebelling workers just as the »communist« butchers of the »Karl Marx Barracks« shoot today. The counter-revolution extents all the way from Franco to Santillan.

Once more, and so often before, the disappointed revolutionary workers denounce their cowardly leadership, and then they look around for new and better leaders, for improved organization. The »Friends of Durruti« split away from the corrupted leaders of the CNT and FAI in order to restore original anarchism, to safeguard the ideal, to maintain the revolutionary tradition. They have learned a few things, but they have not learned enough. The workers of the POUM are deeply disappointed in Gorkin, Nin and Company. These Leninists were not leninistic enough, and the party members look around for better Lenins. They have learned, but so little. The tradition of the past hangs like a stone around their neck. A change of men and a revival of the organization are not enough. A communist revolution is not made by leaders and organizations; it is made by the workers, by the class. Once more the workers are hoping for changes in the »People’s Front«, which might after all bring about a revolutionary turn. Caballero, discarded by Moscow, might come back on the shoulders of the UGT-members, who have learned and seen the light. Moscow, disappointed in not finding the proper help from the democratic nations, might become radical again. All this is non-sense! The forces of the »People’s Front«, Caballero and Moscow, are unable, even if they wanted, to defeat capitalism in Spain. Capitalistic forces can not have socialistic policies. The People’s Front is not a lesser evil for the workers. It is only another form of capitalist dictatorship in addition to Fascism. The struggle must be against capitalism.

The present attitude of the CNT is not new. A few months ago the Catalan president Companys said that the CNT »has not thought of impairing the democratic regime in Spain, but stands for legality and order«. Like all other anti-fascist organizations in Spain, the CNT, notwithstanding its radical phraseology, has restricted its struggle to the war against Franco. The program of collectivization, partly realized as a war necessity, did not impair capitalist principles or capitalism as such. Insofar as the CNT has spoken of a final goal, it suggested some modified form of state capitalism, in which the trade union bureaucracy and its philosophical anarchist friends would have the power. But even this goal was only for the distant future. Not one real step in this direction was undertaken, for one real step towards even a state capitalist system would have meant the end of the People’s Front, would have meant barricades in Catalonia and a civil war within the civil war. The contradiction between its ‚theory‘ and its ‚practice‘ was explained by the anarchists in the manner of all fakers, that ‚theory‘ is one thing and ‚practice‘ another, that the second is never so harmonious as the first. The CNT realized that it had no real plan for the reconstruction of society; it realized further, that it did not have the masses of Spain behind itself, but only a part of the workers in one part of the country, it realized its weakness, national as well as international, and its radical phrases were only designed to conceal the utter weakness of the movement in the conditions created by the civil war.

There are many possible excuses for the position the anarchists have taken, but there is none for their program of falsification which beclouded the whole labor movement and worked to the advance of the Moscow-Fascists. Trying to make believe that socialism was on the march in Catalonia and that this was possible without a break with the People’s Front Government meant the strengthening of the People’s Front forces till they were able to dictate also to the Spanish anarchist workers. Anarchism in Spain accepted one form of fascism, disguised as a democratic movement to help to crush Franco-Fascism. It is not true, as the anarchist today try to make their followers believe that there was no other alternative, and hence that all criticism directed against the CNT is unjustified. The anarchists could have tried, after July 19, l936, to establish worker’s power in Catalonia, they could also have tried to crush the Government forces in Barcelona in May 1937. They could have marched against both the Franco-Fascists and the Moscow-Fascists. Most probably they would have been defeated; possibly Franco would have won and. smashed the anarchists as well as his competitors of the People’s Front. Open capitalist intervention might have set in at once.

But there was also another possibility, though much less likely. The French workers might have gone farther than to a mere stay-in strike; open intervention might have led to a war in which all the powers would have been involved. The struggle would have at once had turned on clear issues, between Capitalism and Communism. Whatever might have happened, one thing is sure: the chaotic condition of world capitalism would have been made still more chaotic. Without catastrophes no change of society is possible. Any real attack on the capitalist system might have hastened reaction, but reaction will set in anyhow, even if somewhat delayed. This delay will cost more workers‘ lives than would any premature attempt to crush the system of exploitation. But a real attack on capitalism might have created a condition more favorable to international action on the: part of the working class, or it might have brought about a situation which would have sharpened all capitalist contradictions and so hastened historical development toward the breakdown of capitalism. In the beginning is the deed. But the CNT, we are told, felt so much responsibility for the lives of the workers. It wanted to avoid unnecessary bloodshed.

What cynicism! More than a million people have already died in the civil war. If one has to die anyway, he might as well die for a worthy cause. The struggle against the whole of capitalism – that struggle which the CNT wanted to avoid – can not be avoided. The workers‘ revolution must be radical from the very outset, or it will be lost. There was required the complete expropriation of the possessing classes, the elimination of all power other than that of the armed workers, and the struggle against all elements opposing such a course. Not doing this, the May days of Barcelona, and the elimination of the revolutionary elements in Spain were inevitable. The CNT never approached the question of revolution from the viewpoint of the working class, but has always been concerned first of all with the organization. It was acting for the workers and with the aid of the workers, but was not interested in the self-initiative and action of the workers independent of organizational interests. What counted here was not the revolution but the CNT. And from the point of view of the interests of the CNT the anarchists had to distinguish between Fascism and Capitalism, between War and Peace.

From this point of view, it was forced to participate in capitalist-nationalist policies and it had to toll tell the workers to cooperate with one enemy in order to crush another, in order later to be crushed by the first. The radical phrases of the anarchists were not to be followed; the only served, as an instrument in the control of the workers by the apparatus of the CNT, »without the CNT«, they wrote proudly, »anti-fascist Spain cannot be governed«. They wanted to participate in governing the workers and ordering them around. They only asked for their proper share of the spoils, for they recognized that they could not very well have the whole for themselves. Like the »Bolsheviks«, they identified their own organizational needs with the needs and interests of the working class. What they decided was good, there was no need for the workers to think and decide for themselves, as this would only hinder the struggle and create confusion; the workers simply had to follow their savers. Not a single attempt to organize and consolidate real working class power. The CNT spoke anarchistically and acted bolshevistically, that is, capitalistically. In order to rule, or participate in the rule, it had to oppose all self-initiative on the part of the workers and so it had to stand for legality and order and government. But there were more organizations in the field, and there is no identity of interests among those organizations. Each one is struggling against all others for supremacy, for the sole rule over the workers. The sharing of power by a number of organizations does not do away with the struggle between them. At times all organizations are forced to cooperate, but this is only a postponement of the final reckoning. One group must control.

At the same time that the anarchists were proceeding from »one success to the other«, their position was continuously being undermined and weakness. The CNT’s assertion that it would not dictate to other organizations, or work against them, was in reality only a plea not to be attacked by others – a recognition of its own weakness. Being engaged in capitalist policy with its allies of the People’s Front, it left the broad masses with the possibility of choosing their favorite from among the bourgeois elements. The one who offered the most had the best chance. Moscow fascism came into vogue even in Catalonia. For the masses saw in the support of Moscow the strength necessary for doing away with Franco and the war, Moscow and its People Front government meant international capitalist support. Moscow gained in influence, for the broad masses of Spain were still in favor of the continuation of the exploitation society. And they were strengthened in this attitude by the fact that the anarchists did nothing to clarify the situation, that is, to show that help from Moscow meant nothing more than the fight for a capitalism which pleases a few imperialist powers, even though it may disappoint others.

The anarchists became propagandists for the Moscow brand of fascism, the servants of those capitalist interests which oppose the present Franco plans in Spain. The revolution became a play ground of imperialist rivals. The masses had to die without knowing for whom or for what. The whole affair ceased to be the affair of the workers. And now it has also ceased to be the affair of the CNT. The war may be ended at any time by a compromise agreement between the imperialist powers. It may be ended with a defeat or with a success of Franco. Franco may drop Italy and Germany and turn to England and France. Or the former countries may cease to pay further attention to Franco. The situation in Spain might be decisively altered by the war brewing in the Far East. There are still a number of possibilities in addition to the most likely one, that is, victory for Franco-Fascism. But whatever happens, unless the workers throw up new barricades against the Loyalists also, unless the workers really attack capitalism, than whatever may be the outcome of the struggle in Spain it will have no real meaning to the working class, which will still be exploited and suppressed.

A change in the military situation in Spain might force Moscow-Fascism once more to don the revolutionary garb. But from the viewpoint of the interests of the Spanish workers, as well as of the workers of the world, there is no difference between Franco-Fascism and Moscow Fascism, however much difference there may be between Franco and Moscow. The barricades, if again erected, should not be torn down. The revolutionary watchword for Spain is: Down with the Fascist s and also down with the Loyalists. However futile, in view of the present world situation, might be the attempt to fight for communism, still this is the only course for workers to adopt. »Better the sense of futility than the morbid energy that expends itself on false roads. We will preserve our sense of truth, of reason at all cost, even at the cost of futility.«

Paul Mattick – 1937