Bündnis von Mob und Elite? Hat sich erledigt. Macht die Elite alles selber!

Carmen Niedermaier begab sich erst in psychologische Behandlung, als ihr ein Gast in den Unterleib getreten hatte. »Im Zug hatte ich das Gefühl, funktionieren zu müssen«, sagt die Schaffnerin. Vor allem, wenn sie beschimpft wurde, weil sich der Zug verspätet hatte. In solchen Fällen legten »die Geschäftsleute in der 1. Klasse sämtliche Manieren beiseite«, berichtet sie, »die Angriffe sind unter jedem Niveau«. Angezeigt aber habe sie die permanenten Beleidigungen – »Schlampe« war noch eine der freundlichen – nahezu nie. »Man kommt einfach nicht dazu«, sagt sie. Vielleicht habe sie sich auch nicht getraut.

(Kann mal jemand zur Abwechselung ein Buch über Gewalt gegen Arbeiter und Angestellte schreiben? Und dann versuchen, damit bei Beckmann oder Illner zu reüssieren? Ja, richtig, ein Buch über die Leute, die von offensichtlich integrationsunwilligen, eigentlich schon nicht mehr zu integrierenden sogenannten Besserverdienenden aus der Parallelwelt der Geschäftsleute und Manager, angepöbelt, betatscht, geduzt, bespuckt und getreten werden? Die ihre Viertel in No-Go-Areas verwandeln, wo man als Fußgänger alsbald vom Sicherheitspersonal angehalten wird, was man denn hier zu suchen habe?! Oder ist das alles falsch, weil natürlich DAS die Integration ist, das immer hemmungslosere Treten gegen subalternes Personal, das eine gar nicht mal so stillschweigende Versicherung des eigenen Herrenreitertums voraussetzt; die kollektive Missachtung von Leuten, die irgendwie ihren Scheißjob machen müssen [und, soviel Illusion und Selbstbetrug ist immer im Spiel, mitunter auch machen wollen]. Von dieser Art Integration will aber niemand was hören, und man redet auch nicht gerne darüber, wie man dem hier verlinkten Artikel entnehmen kann: »… die [Bahn], sagt Frank Hauenstein von der Gewerkschaft Transnet, sehe es gar nicht gern, wenn sich Mitarbeiter über Gewalt im Zug äußerten – selbst dann nicht, wenn die eigenen Leute von dieser Gewalt betroffen sind.«)