Es handelte sich um ein »Einleitungsreferat«, man hätte nicht im Publikum sitzen wollen.
Neoprene hat auf eine Kritik der Neuen Marx Lektüre des DKP-Matadoren Werner Seppmann hingewiesen. (Seppmann ist formal mittlerweile aus der DKP ausgetreten, hat aber dabei Herz und Seele der Partei wohl mitgenommen, trotzig wird er sich damit trösten können: Nicht er hat die DKP verlassen, sondern sie ihn.) Neue Marx Lektüre? Mir hat bislang noch niemand erklären können, was damit gemeint ist, außer das sie irgendwas mit Backhausreicheltheinrich zu tun hat. Das liegt aber auch daran, dass noch niemand erklärt hat, was die Alte Marx Lektüre gewesen sein soll (Korsch? Lukacs? Luxemburg? Engels? Horkheimer? Sartre? Lenin? Tronti? Camatte?), außer dass sie was mit Derarbeiterbewegungunddemrealensozialismus zu tun hatte. Man weiß es alles nicht so genau, und deshalb schreiben »sie«, die Elbes dieser Welt, so schrecklich dicke Bücher und deshalb antwortet »er«, der Seppmann, so schrecklich verstockt und verhockt. Meint er doch tatsächlich seinem Publikum von Wuppertaler Marx-Engels-Stiftung erst mal erklären zu müssen, was Marx eigentlich so ganz generell gedacht hat, wenn ich im Publikum der Marx-Engels-Stiftung gesessen hätte, ich käme mir nach Strich und Faden verarscht vor. Zumal, und das lesen wir gleich, Seppmann ebenso weihevoll wie zwanghaft daherredet und seine Zuhörer bzw. seine Leser mit der wahllose Präzision nicht enden wollender Substantivismen zumüllt. Aber was soll’s, das ist Weihrauch für die Gemeinde, sie wird es goutieren.
Die substantivistische Sprache ist die Sprache der autoritären Bürokratie resp. der bürokratischen Autorität. Es hämmern die Substantive dem armen Leser die jeweils einzuleuchtende Wahrheit um die Ohren, Sachverhalte werden nicht aufgehoben in ruhigen, erklärenden, raumgreifenden Sätzen, sondern zusammengezwängt in Wortungetümen. Bezeichnend, dass Seppmann seinen Ungetümen selbst so wenig über den Weg traut, dass er sie noch mit einer Heerschar von Adjektiven einhegen, umzäunen, abstützen muss. Herauskommt ein abgestandener Neusprech, in dem auch das verräterische Wort von den »weltanschaulichen Motiven« nicht fehlen darf.
Voilá, es spricht der Apparat.
… verwertungszentrierte Entwicklungsdynamik … ökonomischen Reproduktionsmuster … sozialen Widerspruchstendenzen … periodischen Ausbruch von Krisen … individuelle Zukunftsaussichten … Phasen der Prosperität des Kapitalismus …dramatische Weise … volkswirtschaftliche Fachwissenschaft … die Frage nach den Bedingungen einer reibungslosen Kapitalverwertung … der Kapitalismus als historisch entstandene Gesellschaftsformation … Haltlosigkeit von Vorstellungen über eine überhistorische Festgefügtheit der kapitalistischen Gesellschaftsformation … verzerrte Vorstellungen über die Ausbeutungsstrukturen und die Funktionsweise kapitalvermittelter Herrschaft … Charakter kapitalistischer Machtreproduktion … die Selbstverpflichtung der 11. Feuerbachthese … intensiven Blick in sein Denklaboratorium … Reflexionen über seine methodischen Prinzipien und weltanschaulichen Motive … Entwicklungsprozeß … konkreten Klassenkämpfen und gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen … des engen Geflechts von Selbstreflexion, Selbstkommentierung und politischer Perspektivität … diese Grundorientierungen sowie die Annahme eines konstitutiven Theorie-Praxis-Zusammenhanges … das Negationssubjekt der bürgerlichen Gesellschaft … historischen Fortschrittspotentialen … Interpretationsversuche seiner Theorie von Grundannahmen mit desorientierenden Konsequenzen … Theoriesystem … Ökonomiebeschäftigung… Korrespondenzverhältnis … Realitätsabstinenz … theoretisches Kategoriensystem … undialektische Theorie gesellschaftlicher Praxisverhältnisse …Originalitäts- und Novitätsanspruch … Konstitutionsprinzipien … sozialtheoretischen Basisbestimmungen … dialektischen Gesellschaftskonzept … wechselseitigen Bezüglichkeit … sozialen Strukturgefüge … den Aspekt der historischen Selbsttätigkeit der Menschen … … objektivistische Sichtweise … Handlungssubjekte … theoretischen Vorstellungshorizont … im Windschatten logizistischer Vorgaben …Argumentationsrahmens … Form eines logischen Kategoriengeflechts … die allgemeinen Reproduktionsprinzipien … konkreten Existenzformen … einer Logik des Gesamtzusammenhangs … Leitfaden einer analytischen Durchdringung sozialer Realitäten … des empirischen Aneignungs- und theoretischen Rückvermittlungsprozesses … erneute Durchdringungsversuche der gesellschaftlichen Totalität … einer präziseren Grundlage … Referenztexte … theoretischen Vorentscheidungen und Reduktionismen … die sozialtheoretischen Grundannahmen des Historischen Materialismus … Basisbedeutung … die geschichtstheoretischen Grundannahmen … abgesichertes Marxismusverständnis … Theoriewerkstatt … die Begründungs- und Darstellungsprobleme … peripheren Einflußmomente … sozialtheoretischen Kontext … unüberschreitbare Vermittlungsinstanz …