Wer von der Sozialdemokratie nicht sprechen will, der soll vom Faschismus schweigen

Ich kann mir nicht helfen, aber solange unseren Vorzeigeintellektuellen immer wieder solche Preziosen durchschlüpfen, wie die, dass – ich übersetze es ins Materialistische: anhaltender Sozialdemokratismus zu faschistischer Regression führt, dass man also (frei nach Max Horkheimer und streng nach Willy Huhn) vom Faschismus schweigen soll, wenn man von der Sozialdemokratie nicht sprechen will, solange man solche Passagen liest, die vom Autor gewiss nicht so gemeint waren, die man aber bei noch halbwegs klarem Verstand gar nicht anders verstehen kann, solange bin ich mir sicher – es gibt sie doch noch, die List der Vernunft.

Dabei ist Sarrazins Weg nicht untypisch für Männer, die eine ganze Karriere mit der SPD verbracht haben. Mit den Jahren gerät ihnen die Beschäftigung mit den Kernthemen der Partei, mit Arbeitslosigkeit, Unbildung und Armut, zu einer Obsession, bis sie das Problem mit seinen Patienten verwechseln. Dann findet man höhere Beamte der Arbeitsagentur, die über die Arbeitslosen schimpfen; Lehrer, die ihre Schüler hassen und Sozialpolitiker, die über ihre Klienten ätzen. Es klingt, als sei es auch Sarrazin so ergangen: Wenn die Armen und Dummen keine Kinder mehr bekommen, so wird er sich eines Tages gedacht haben, dann verringert sich auch die Armut und Dummheit in der Welt. Und umgekehrt: Wenn sie sich vermehren, gibt es bald kein gepflegtes protestantisches Pfarrhaus mehr.

(Quelle)