Archiv für August 2010

Wer von der Sozialdemokratie nicht sprechen will, der soll vom Faschismus schweigen

Ich kann mir nicht helfen, aber solange unseren Vorzeigeintellektuellen immer wieder solche Preziosen durchschlüpfen, wie die, dass – ich übersetze es ins Materialistische: anhaltender Sozialdemokratismus zu faschistischer Regression führt, dass man also (frei nach Max Horkheimer und streng nach Willy Huhn) vom Faschismus schweigen soll, wenn man von der Sozialdemokratie nicht sprechen will, solange man solche Passagen liest, die vom Autor gewiss nicht so gemeint waren, die man aber bei noch halbwegs klarem Verstand gar nicht anders verstehen kann, solange bin ich mir sicher – es gibt sie doch noch, die List der Vernunft.

Dabei ist Sarrazins Weg nicht untypisch für Männer, die eine ganze Karriere mit der SPD verbracht haben. Mit den Jahren gerät ihnen die Beschäftigung mit den Kernthemen der Partei, mit Arbeitslosigkeit, Unbildung und Armut, zu einer Obsession, bis sie das Problem mit seinen Patienten verwechseln. Dann findet man höhere Beamte der Arbeitsagentur, die über die Arbeitslosen schimpfen; Lehrer, die ihre Schüler hassen und Sozialpolitiker, die über ihre Klienten ätzen. Es klingt, als sei es auch Sarrazin so ergangen: Wenn die Armen und Dummen keine Kinder mehr bekommen, so wird er sich eines Tages gedacht haben, dann verringert sich auch die Armut und Dummheit in der Welt. Und umgekehrt: Wenn sie sich vermehren, gibt es bald kein gepflegtes protestantisches Pfarrhaus mehr.

(Quelle)

Die vererbte Intelligenz. Kleine Handreichung für Thilo Sarrazin und Frank Schirrmacher

Eine Schlüsselstelle in Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« scheint die These von der Vererbung der Intelligenz zu sein. Jedenfalls weist er in den Interviews immer wieder darauf hin, die Rezensionen steigen darauf ein und Frank Schirrmacher, der irgendwie Dauerverhinderte unter den Vorzeigeintellektuellen der Nation, baut einen ganzen Gaga-Essay1 zu Sarrazin auf der Vererbungsthese auf.
Also – Intelligenz ist vererbbar, wird vererbt, und zwar, da schwankt Gen-Deketiv Sarrazin noch, zwischen fünfzig und achtzig Prozent, mal legt er sich auf sechzig Prozent fest, dann sollen es doch wieder achtzig sein.

Wir wollen Sarrazin und Schirrmacher (»…die Frage, ob Intelligenz größtenteils vererbt wird oder kulturell geschaffen werden kann, ist eine der völlig offenen Fragen.«) da gerne weiterhelfen. Die Antwort ist nämlich ganz einfach: Intelligenz ist zu hundert Prozent vererbbar. Das ist die Identität der Gattung mit sich selbst.
Dass die Menschen Urteilen, sich zu diesen Urteilen verhalten und in der Lage sind, aufgrund veränderter Zustände neue Urteile zu treffen, kurzum: dass sie sich ihren Reim auf die Welt machen, dass ist die Intelligenz. Nicht mehr, nicht weniger.
Die Identität der Gattung mit sich selbst ist kein Ideal, an dem sich die einzelnen Menschen aufzurichten hätten, sie gibt keine Norm vor, an der Menschen, die, sagen wir, blind oder mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen oder die nach einem Unfall bestimmte Hirnfunktionen nicht mehr ausüben können, scheitern könnten. Weil es nicht den Reim auf die Welt gibt, machen sich die Menschen ihren Reim. Die Intelligenz ist das Dasein der Menschheit, wäre sie es nicht, es gäbe keine Menschheit, sondern vielleicht bloß eine Reihe weiterer Affenarten.
Oder anders formuliert: Dass die Menschheit überhaupt Dinge wie die Atombombe, das Internet oder die FAZ erfunden hat, liegt an ihrer spezifischen genetischen, neurologischen, biologischen etc.pp. Verfasstheit. Man wird aber keine der sogenannten Kulturleistungen auf die Gene zurückführen können. Dass die Zwölftonmusik von Arnold Schönberg und Josef-Matthias Hauer um 1920 entdeckt und entwickelt wurde und nicht schon 130 Jahre früher von Mozart, darauf werden Genetik und Sozio-Biologie keine Antwort finden.

Was wir hier mitgeteilt haben, sind Banalitäten, die für gewöhnlich nicht am Ende, sondern am Anfang einer Erklärung stehen – man lässt sie hinter sich. Dass die Menschheit an sich intelligent ist und diese Intelligenz Generation für Generation weitergibt – und sie noch keine Katastrophe, egal ob Eiszeit oder Weltkrieg, an der Weitergabe dieser Intelligenz dauerhaft gehindert hat –, erklärt nicht den Kapitalismus und begründet nicht den Kommunismus (aber versetzt uns überhaupt in die Lage zu erkennen, was Kapitalismus ist – nun, auch dies eine Banalität). Wird, wie bei Sarrazin und Schirrmacher der Sachverhalt umgedreht dargestellt, wird also die Tatsache, DASS Intelligenz vererbt wird, als die eigentliche Big News herausgestrichen, heißt das, dass diese Banalität im Dienste einer bestimmten Politik steht – eine gleichsam »unschuldige«, »rein wissenschaftliche«, »neutrale« Bemerkung ist es dann nicht mehr.
Denn natürlich ist das wissenschaftliche Fundament dieser Politisierung geheuchelt2. Im Prinzip ist es wurst, ob die Intelligenz zu dreißig, vierzig, fünfzig oder neunundneunzig Prozent vererbt wird. Weil es die jeweils selbe gattungseigene Intelligenz ist, sind die Prozentzahlen der Vererbung strenggenommen völlig unerheblich. Sarrazin geht aber davon aus, dass spezifische Intelligenzen vererbt werden, nämlich die, die dafür sorgen, dass die eine Familie in der vierten Generation Architekten hervorbringt, während in der anderen der Großvater Hilfsarbeiter war, die Mutter arbeitslos ist und der Sohn Hartz’ler wird. So wird die Rede von der Vererbung der Intelligenz zu einem Mittel, soziale Ungleichheiten zu rechtfertigen. Die letztlich keine sozialen, sondern natürliche (unveränderliche, überzeitliche) sind. Und mit denen man so umgehen muss, wie ein Gärtner mit Pflanzen umgeht, die in seinem Garten an Stellen wachsen, wo sie nicht wachsen sollen.

Nachtrag: Sarrazin Bashing ist eine beliebte, gern genommene Freizeitbeschäftigung in diesen Tagen. Frank Schirrmacher, der zu den wenigen Verteidigern Sarrazins gehört und der das auf die ihm eigene verdruckste Art und Weise ausdrückt, hat schon öfters die heftigen Wallungen der Political Correctness beobachten können. Deshalb sagt er nicht einfach, Sarrazin hat aber recht!, er erweitert schon mal den Horizont: Vergesst doch mal Sarrazin und diese notorischen Problembezirke in Berlin und Hamburg und beschäftigt euch mit der Substanz des Buches, die unabhängig von ihrem Autor Bestand hat. Für Schirrmacher ist Sarrazin nur der brachiale Türöffner für ganz andere, weitergehende Debatten. Die werden ohne Zweifel kommen, der Name Sarrazins wird dann kaum noch fallen. Deswegen ist es müßig, noch einmal auf Sarrazin herumzutrampeln (was nicht heißt, dass es im Alltag sehr wohl angebracht ist, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen mit ihm zu stören und ggf. zu verhindern). Vielmehr muss man Schirrmacher ernst nehmen, wenn er folgendes schreibt: »Sarrazin ist lediglich der Ghostwriter der Gespenster, die uns jetzt heimsuchen.« Es sind bloß keine Gespenster, sondern die Zombies der bürgerlichen Politik.

  1. »… mit jeder Seite, die man liest, wird klarer, dass es sich hier nicht um ein bildungsbürgerliches Traktat handelt, sondern um die Etablierung eines völlig anderen Kulturbegriffs[Hervorh. Ofenschlot]. Es geht um die Verbindung von Erbbiologie und Kultur und damit letztlich um, ein Wort, das Sarrazin (Darwin zitierend) so unerschrocken benutzt, wie einst Gottfried Benn, „Zuchtwahl“ und „Auslese“. (…) Kultur ist ihm der Reflex biologischer Prozesse.« Ja, natürlich, das muss wirklich ein völlig anderer Kulturbegriff sein, so völlig anders, dass noch nicht mal die Nazis und ihre Stichwortgeber aus dem Rassenlehre-Diskurs (Gobineau, Chamberlaine) auf diese Idee kamen …
    Eine der perfidesten Passagen des Essays geht so:
    »Ist er deshalb, wie manche behaupten, ein Rassist? Gewiss nicht, denn in Wahrheit bezieht er sich, ohne auch das deutlich zu machen, auf die große Einwanderungs- und Intelligenzdebatte, die vor fast genau hundert Jahren in den Vereinigten Staaten stattfand und dort zu einer Gesetzgebung führte, die bis 1965 in Kraft blieb. Wer nachliest, was damals unter dem Eindruck der Zuwanderungsströme im Ersten Weltkrieg in Amerika diskutiert wurde, befindet sich mitten in der Sarrazin-Diskussion. Die Zukunft des Landes war in Gefahr, die Intelligenz verkümmerte, Ethnien wurden analysiert und selektiert. Am schlimmsten waren die Japaner und die Süditaliener. „Nein, wir arbeiten nicht“, heißt es etwa in einem der einflussreichsten Werke der damaligen Zeit („The Old World in the New“) über die Italiener. „Wir haben andere, die für uns arbeiten. Es sind diese Parasiten, die die meisten Verbrechen begehen.“ Sie verlassen die Schule bei der ersten Gelegenheit, sie können nicht lesen und nicht schreiben, sind schlecht in Mathematik, und „ihnen fehlt die Fähigkeit zu denken“. Es hat sich gezeigt, dass Bildung und der Glaube an die eigene Kultur die Integration dieser Gruppen nach 1965 viel mehr beschleunigte als jede Form eugenischer Politik.«
    Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lasse: … viel mehr beschleunigte als … Soll heißen: auch irgendeine eugenische Politik hätte ihr Ziel erreicht, freilich längst nicht so schnell. Der Einwand gegen die Eugenik, den Schirrmacher auf Nachfrage wahrscheinlich als fundamental bezeichnen würde, ist ein rein taktischer: Eugenik ist einfach nicht so elegant handhabbar wie andere Formen der Integration ins Gemeinwesen. [zurück]
  2. Die Süddeutsche zitiert: »Aus der Tatsache, dass die meisten Juden zum Teil identische Gene hätten, „ergibt sich weder eine positive noch eine negative Zuschreibung“, sagt Sarrazin.« Warum erwähnt er die vermeintliche genetische Identität dann überhaupt? [zurück]

»Das Recht auf nationale Autonomie und staatliche Souveränität ist nur ein anderer Name für das Unrecht, Leute zu schikanieren, auszuweisen und abzuschieben.«

Wolfgang Pohrt gegen seine Liebhaber verteidigen? Überflüssig. Das macht der selber, hat er immer schon gemacht. Pohrt ist der Anarch der kritischen Theorie – immer wenn man denkt, das oder dies läge doch voll auf seiner Linie, hat er sich, ganz Partisan der bösen Provokation, bereits abseits dieser in die Büsche geschlagen. Dabei ist Pohrt immer ein Dialektiker geblieben, denn seine Beweglichkeit, sein notorisch negativer Geist beruht auf verhältnismäßig wenigen Einsichten über die Geschichtlichkeit des Wertgesetzes, die er in seiner frühen Marx-Exegese (»Theorie des Gebrauchswerts«, 1976) gewonnen hatte1. Beliebig, ein Querulant gar, ist er nie gewesen. Lässt man sich auf ihn ein, glaubt man ihm erst mal alles – das liegt daran, dass er den historisch-gesellschaftlichen Ausschnitt, der jeweils Gegenstand seiner Polemiken ist, messerscharf seziert. Erst später und mit einigem Abstand erkennt man, dass der Ausschnitt eben ein Ausschnitt war und dass sich so manche stillschweigende Voraussetzung eingeschlichen hat, die einfach unzulässig ist. Beispiele? Findet ihr selber, wenn ihr seine Texte nicht als in sich geschlossene, quasi-wissenschaftliche Abhandlungen lest (wie das jahrelang seine falschen antideutschen Freunde gemacht haben), sondern als tagespolitische Nahkampfübungen.
Warum wir hier auf Pohrt zu sprechen kommen, ist nicht sein 65. Geburtstag, den sein Stammverlag Edition Tiamat just mit einem repräsentativem Auswahlband »Gewalt und Politik« gewürdigt hat. Sondern eine Frage, die einfach so vom Himmel fiel: Hat sich Wolfgang Pohrt eigentlich zu Israel geäußert?
Blöde Frage, oder? Dahinter steckt aber folgende Überlegung: Den »klassischen« Antideutschen, jene also, die sich gegen den deutschen Großmachtsnationalismus der 1990er Jahre zuerst formierten, ging es nicht um Israel. Israel war eigentlich völlig uninteressant. Es ging um die (Entlarvung der) deutschen Obsessionen, die sich mit Israel verknüpften: »Eine Israelreise geriet zum Kuraufenthalt, woraus die Deutschen, von ihrer Vergangenheit geheilt, zurückkehrten; die kurze Geschichte Israels wurde zum belebenden Elixier, nach welchem die Zuhausegebliebenen gierig griffen.«2 Es ging um die Schlupflöcher eines Antisemitismus, der offiziell verboten, gesellschaftlich gleichwohl virulent war (immer noch ist) und der sich politisch korrekt nur als Antizionismus artikulieren konnte (es immer noch tut). DIESE politischen Verschiebungs- und Übertragungsleistungen galt es, gerade auch in der Linken, zu decodieren. Von Israel als Vorposten des Westens (Wächterstaat für unser aller Freiheit), als »einzige Demokratie im Nahen Osten«, als »bewaffneten Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen« (ISF Freiburg), selbst von Israel als »Staat der Überlebenden« war nicht die Rede. Zumindest eine zeitlang nicht: Übergänge zur unbedingt positiven Besetzung des linksdeutschen Israel-Bildes mag man schon in den Debatten den frühen 1990er Jahre finden – etwa wenn man jede Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung unter Antizionismus- vulgo: Antisemitismus-Verdacht gestellt hat.
Pohrt ist so häufig so penetrant zum Stichwortgeber und (wie wir heute wissen: unfreiwilligen) Stilberater der Antideutschen avanciert – inklusive der bis zum Überdruss getriebenen Polemiksucht, die schlicht eine Pohrt-Verballhornung ist –, dass in dem ganzen Getöse untergegangen ist, dass sich Pohrt selten zu Israel geäußert hat und sich die einzige uns bekannte wirklich zusammenhängende Äußerung wiefolgt liest5.
Dieser Text – es handelt sich um »Linksradikalismus und nationaler Befreiungskampf«, erschienen in der taz vom 3.8.1982, auch in Wolfgang Pohrt: »Kreisverkehr, Wendepunkt. Über die Wechseljahre der Nation und die Linke im Widerstreit der Gefühle«, Edition Tiamat, Berlin 1984, S. 16-19 (allerdings nicht wieder aufgenommen in »Gewalt und Politik«)3 – lässt an Klarheit und Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig4. Basisbanalitäten – der Begriff kursierte doch immer mal wieder in den letzten Jahren bei ganz besonders erleuchteten Antifas, na, hier sind sie tatsächlich!

Der gegen Israel oder den Zionismus üblicherweise erhobene Vorwurf ist der, daß dieser Staat dort gegründet wurde, wo vorher andere Menschen lebten. Die Gründungsakte aller bisherigen Gemeinwesen aber waren keine der Gerechtigkeit, sondern stets solche der Gewalt. Sogar der Bilderbuchfrieden idyllischer Stämme und Völker, die einträchtig und in Harmonie mit den Nachbarn das Land der Väter nach alter Sitte bestellen, ist in der Regel ein Frieden, der auf dem ursprünglichen Gewaltakt der Landnahme und Vertreibung anderer beruht. Das von Nationen, Völkern, Stämmen untrennbare, weil logisch zwingend zu ihrem Begriff gehörende Recht, zwischen sich selbst und dem Fremden zu unterscheiden, und den Fremden als fremden Eindringling zu betrachten und zu verjagen, wenn er sich niederlassen will – dies Recht ist nur der legalisierte und kontinuierlich gewordene ursprüngliche Gewaltakt der Landnahme und Vertreibung.

Kein Volk erhielt seinen Platz auf der Erde zugesprochen nach Maßgabe rechtmäßiger Besitzansprüche von überirdischen Instanz, sondern jedes Volk hat sich irgendwann in der Geschichte seinen Platz mit Gewalt genommen; nicht nur aus praktischen Gründen – weil es eine überirdische gerechte Verteilungsinstanz nicht gibt, – sondern viel mehr noch deshalb, weil es im emphatischen Sinn kein Exklusivrecht für Deutsche, Franzosen, Israelis geben kann, irgendein Fleckchen Erde ausschließlich zu besitzen, und weil es ein Unrecht ist, wenn auf irgendeinem Fleckchen Erde Menschen nicht leben dürfen, nur deshalb, weil sie Türken, Vietnamesen, Juden oder Palästinenser sind. Das Recht auf nationale Autonomie und staatliche Souveränität ist nur ein anderer Name für das Unrecht, Leute zu schikanieren, auszuweisen, abzuschieben mit der Begründung, daß sie den falschen Paß oder die falsche Geburtsurkunde besäßen, und dieses Unrecht ist keine Verfälschung der Nationalstaatsidee, sondern ihr – bisweilen durch die Toleranz einsichtiger Menschen freilich gemildertes – Wesen.

Der Rechtsanspruch von Menschen, Völkern, Nationen auf ein Stück Erde ist nur ein anderer Name für den Anspruch, andere von diesem Stück Erde zu vertreiben. In jeder feierlichen Proklamation des Existenzrechts eines Volkes steckt die Drohung, das Existenzrecht diesem oder einem anderen Volk zu entziehen. In Wahrheit aber besitzt der Mensch ein Existenzrecht so wenig, wie er auch kein Recht, sich dort aufzuhalten, wo er gerade ist, oder kein Recht zu atmen, besitzt – ganz einfach deshalb, weil weder die bloße Existenz, noch das mit dieser Existenz verbundene Dasein auf einem Stück erde, noch das Atmen Dinge sind, welche unter die Rechtsverhältnisse fallen. Kein Mensch hat ein Recht darauf, an einem bestimmten ort zu leben, weil dieses bloße Dasein an irgendeinem Ort kein Unrecht sein kann und deshalb keiner Rechtfertigung bedarf. Nicht weil sie durch fleißige Arbeit ein Anwesenheitsrecht erworben haben, sondern weil sie da sind, müssen alle Türken in Deutschland bleiben dürfen. Nicht weil die Palästinenser ein Recht auf Palästina besaßen, sondern weil sie dort waren, war es ein Unrecht, daß sie von Israel vertrieben wurden.

Das Schachspielen mit den Gebietsansprüchen haben die Linksradikalen deshalb früher den Machthabern überlassen, denn nicht die Bevölkerung stand für die Linksradikalen zur Disposition, sondern das Produktionsverhältnis, die Machtverhältnisse, die Regierung. Ein krieg zwischen zwei Bevölkerungsgruppen, deren beider Ziel es ist, die jeweils andere von einem Stück Land zu vertreiben, hätte eben deshalb die Linksradikalen theoretisch bestätigt und praktisch ratlos gemacht. Ein solcher Krieg, wie er zwischen Israel in der Rolle des vertriebenen Vertreibers und den Palästinensern in der Rolle der Vertriebenen seit Jahrzehnten geführt wird, hätte die Linksradikalen in ihrer Erkenntnis bestätigt, daß es für soziale Probleme keine nationale Lösung gibt, oder jedenfalls keine andere als endloses Blutvergießen. Dieser Krieg hätte die Linksradikalen gleichzeitig praktisch ratlos gemacht, denn er bietet keine Möglichkeit, Partei zu ergreifen, weil

1. beide Parteien dasselbe wollen: den exklusiven Besitzanspruch auf ein und dasselbe Fleckchen Erde; die eigene Flagge, die eigene Armee, den eigenen Staat.

2. die Entwicklung Israels nur noch einmal zeigt, daß jeder Nationalstaat, auch dann, wenn humanitär gesonnene Leute ihn aus lautersten Motiven und mit den besten Absichten gründen, dazu neigt, ein gefräßiges Ungeheuer zu werden.

3. die schlimme Vergangenheit und Gegenwart Israels als Zukunftsprognose für einen Palästinenserstaat und als Warnung vor ihm begriffen werden muß, denn dieser Staat könnte sich von Israel nur dadurch unterscheiden, daß seine Bewohner nicht Israelis, sondern Palästinenser heißen. Im Libanon wurden die israelischen Truppen als Befreier gefeiert und waren die Palästinenser verhasst; kaum deshalb, weil sich die Palästinenser im Libanon wie freundliche, verständige und bescheidene Gäste benahmen, wenn sie selbst die Mehrheit hatten und die PLO die Macht; kaum deshalb, weil Palästinenser unsympathische Leute sind, sondern deshalb, weil Menschen dann, wenn sie als Volk auftreten, im Umgang mit Minderheiten niemals besonders zartfühlend und zimperlich sind.

4. also der nationale Befreiungskampf der PLO kein Kampf für die Abschaffung aller Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse ist, sondern ein Kampf für den Erwerb der Voraussetzungen, unter denen sich mit Sicherheit alle Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse wiederholen.

5. schließlich Linksradikale weder den Vorteil noch den feinen Unterschied sehen können, der angeblich darin besteht, wenn Menschen nicht von fremden Truppen massakriert werden, wie jetzt im Libanon, sondern von den Truppen des eigenen Landes, wie in Hama, oder doch von den Truppen wenigstens verwandter Völker, wie jetzt im Krieg zwischen Iran und Irak; weil Linksradikale nicht mit jener Unterdrückern nicht nur nationaler Minderheiten, sondern auch der großen Mehrheit der Bevölkerung paktieren können, die sämtliche arabischen Regimes heute sind.

Wenn trotzdem heute militante Linke im idiotischen Konflikt zweier völkischer Nationalismen keinen Grund zur Ratlosigkeit sehen, fast zur Resignation, sondern eine willkommene Gelegenheit, mitzumischen, blindlings und fanatisch Partei zu ergreifen und sich mit aller Einbildungskraft uns Schlachtgetümmel des ’nationalen Befreiungskampfes’ zu stürzen, dann hat das nichts mit Linksradikalismus zu tun, sondern mit den bösen verschwiegenen Sehnsüchten, die im Herzen dieses Volkes schlummern. Den Nutzen davon werden nicht die Palästinenser und den Schaden davon wird nicht Israel haben, sondern die Leidtragenden werden die Ausländer in der Bundesrepublik sein – dann, wenn die deutschen den nationalen Befreiungskampf nicht mehr stellvertretend für andere Völker, sondern bei sich selber führen, dann, wenn das Bündnis zwischen Militanz und Mob […] eine realistische politische Basis bekommt.

  1. Hier entwickelte er seinen Grundgedanken, dass der Kapitalismus die eigenen Grundlagen zerstört, ohne dass die erhoffte Zusammenbruchskrise naht, aus der das Proletariat siegreich hervorgeht. Vielmehr hebt sich der Kapitalismus auf seiner eigenen Grundlage auf: Wir treten in eine geschichtslose Zeit ein, die faschistische Epoche gibt uns darauf den ersten Vorgeschmack. [zurück]
  2. Eike Geisel: »Die Reise nach Jerusalem als Pilgerfahrt nach Deutschland. Oder: Die Kunst, in der Fremde daheim zu sein.«, in Ders.: »Lastenausgleich, Umschuldung. Die Wiedergutwerdung der Deutschen«, Edition Tiamat, Berlin 1984, S. 73 (ursprünglich in Konkret 3/84 erschienen). [zurück]
  3. Wir dokumentieren den Text leicht gekürzt. In letzter Sekunde ist uns aufgefallen, dass der Text sich in ganzer Länge auf der Homepage von Martin Blumentritt, lustigerweise einem antideutschen Aktivisten, findet. [zurück]
  4. Wenig heißt nicht nichts. So bezeichnet Pohrt den Krieg zwischen Iran und Irak als Krieg verwandter Völker. Das lässt stirnrunzeln – Iraner und Iraker sind so nah oder so entfernt verwandt wie, sagen wir, Deutsche und Marokkaner, Briten und Serben, Spanier und Kambodschaner. [zurück]
  5. Aber hat nicht Pohrt 1991, im Golfkriegsmonat, in einem skurrilen Text für Konkret auf einen Kernwaffen-Einsatz Israels gegen Saddams Irak gehofft? 1. Ist auch das kein spezifischer Israel-Text, 2. Hat er seine Polemik sieben Jahre später in einem Interview, dass – those were the days – Jürgen Elsässer für die Jungle World führte, relativiert. Wir zitieren nach der Buchfassung, Wolfgang Pohrt: »FAQ«, Edition Tiamat, Berlin 2004, S.63:
    Frage: […] Wie würden Sie heute, mit einigem Abstand, diese Kritik an Ihrer Position sehen – etwa an Ihrer Zuspitzung, Israel möge eine B- und C-Waffen-Attacke [der irakischen Armee] ›hoffentlich mit Kernwaffen zu verhindern wissen‹?
    Antwort: Wenn der Hass auf Israel das Motiv für den Pazifismus ist und die Konsequenz aus diesem Pazifismus im Erfolgsfall eine Gefährdung Israels wäre, weiß ich nicht , wie man den sogenannten Antizionismus ablehnen soll, ohne auch den Pazifismus abzulehnen. Dass eine Bedrohung und Gefährdung Israels bestand, haben amerikanische und irakische Propaganda behauptet. Irakische Raketen auf Tel Aviv machten die Behauptung glaubhaft. Dass sie auch gestimmt hat, würde ich heute bezweifeln.
    Nachträglich muss ich ferner einräumen, dass mein nur in Konkret erschienenes Pamphlet die Schwäche derer teilt, gegen die es sich richtet. Mischt man sich in aktuelle Kontroversen ein, teilt man halt zwangsläufig deren Niveau. […] [zurück]

Marx grotesk

Darf man Bücher anhand ihres Inhaltsverzeichnisses kritisieren? Man darf, wenn einem das Groteske bereits auf diesen Seiten anspringt.
Der akademische Marxismus erhebt mal wieder sein Haupt, und was »damals« (1968ff.) schon eine Operette war, taugt heute nicht einmal zur Farce. Sekundärliteratur zu Marx gibt es in diesen Wochen und Monaten mal wieder in Hülle und Fülle. Eigentlich muss man von Tertiärliteratur sprechen, denn Wälzer wie die von Ingo Elbe, »Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965«, oder Jan Hoff, »Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965« setzen sich ja primär mit der Sekundärliteratur der letzten Jahrzehnte auseinander. Das kann so weitergehen, und wir dürfen uns auf ungemein gelehrte Aufsätze à la »Kritische Anmerkungen zu Ingo Elbe. Warum die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik schon 1964 begann« freuen. Oder wir bleiben einfach länger im Bett liegen.
Nun ist gerade ein weiterer fettleibiger Band erschienen: »Der sich selbst entfremdete und wiedergefundene Marx«, herausgegeben u.a. vom akademischen Groß- und Weitdenker (und früheren K-Gruppen-Germanisten) Helmut Lethen und Falko Schmieder, dem tatsächlich vor fünf Jahren mit »Ludwig Feuerbach und der Eingang der klassischen Fotografie. Zum Verhältnis von anthropologischem und historischem Materialismus« eine scharfsinnige ideologiekritische Studie gelungen ist.
Wie man hier sehen kann, ist der Band dreigeteilt, »Karl Marx, ein rebellischer Bürger des 19. Jahrhunderts«, »Der von sich selbst entfremdete Marx – der Marx der Arbeiterbewegung«, »Der wiedergefundene Marx – Der Marx der Philosophen«. Die erste Abteilung umfasst fünf Aufsätze (Marx im Kontext von Hegel, Darwin, Proudhon und Blanqui – keine Einwände), die dritte sieben (Marx mit Foucault, Badiou, Adorno … das Fieberthermometer steigt …), und die zweite »der Marx der Arbeiterbewegung« umfasst ebenfalls fünf – und drei davon beschäftigen sich mit Antisemitismus. Was fällt also den Herausgebern und ihren Nachwuchskräften zum Stichwort »Marx und Arbeiterbewegung« vor allem ein? Antisemitismus. Und das ist grotesk.1
Arbeiterbewegung? Es gäbe da viel zu besprechen: So hat noch jeder Schub militanter sozialer Kämpfe eine neue Form der Marx-Aneignung (die immer auch eine Marxismus-Kritik war) hervorgebracht. To name but a few: Die Herausbildung des italienischen Kommunismus in den 10er und frühen 20er Jahren des letzten Jahrhundert war in erster Linie eine radikale Politisierung Marxens (siehe Amadeo Bordiga und frühe seine Kritik der kulturalistischen Sozialismus-Vorstellungen von Antonio Gramsci und Angelo Tasca). Die Anti-Revisionisten in der SPD und die Gründergeneration der KPD – ob nun Rosa Luxemburg oder die Bremer Linksradikalen – haben sich stets gegen die Aufspaltung in einen »wissenschaftlichen« (ökonomistischen), »historischen« (überwundenen) und »polemischen« (nicht ganz ernst zu nehmenden) Marx gewandt. Der italienische Operaismus, die französische »Socialisme ou Barbarie«-Gruppe2, schließlich die Radikalen in den USA (Johnson-Forest-Tendency) haben den technologiekritischen Marx wieder entdeckt. Diesen dissidenten Spuren in den Arbeiterbewegungen, DIE Arbeiterbewegung hat es sowieso nie gegeben, hätte man nachgehen können. Und erst recht den konformistischen – den Verballhornungen von Marx durch Kautsky, Bernstein, ja sicher auch durch Lenin.
Nichts davon im »wiedergefundenen Marx«. Aber wisst ihr was? Es ist großartig! Doktorarbeiten über Mario Tronti, Seminare über Paul Matticks Krisentheorie, eine CLR-James-Rezeption bei Merve, eine Amadeo-Bordiga-»BasisBiographie« bei Suhrkamp … das wäre der wahre Horror.

  1. Zu den Aufsätzen selbst können wir nichts sagen (oder nur indirekt: Thomas Haurys Analyse des vermeintlichen Antisemitismus’ in »Zur Judenfrage« kann man auch seiner lesenswerten Dissertation »Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR« [Hamburger Edition, 2002] entnehmen – Haury weist dort nach, dass Marx mit antisemitischen Stereotypen erstaunlich unbedarft hantiert, der Aufsatz aber alles andere als antisemitische Intentionen zum Ausdruck bringt).
    Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in der Arbeiterbewegung – oder besser: mit der häufig nur halbgaren Abwehr des Antisemitismus durch die Arbeiterbewegung, siehe dazu die hinweisreiche Skizze von Gerhard Hanloser – ist keine zu vernachlässigende Beschäftigung. Grotesk ist hier der modische Reduktionismus. [zurück]
  2. Spätestens in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre verstanden sich führende SouB-Repräsentanten – Cornelius Castoriadis, Claude Lefort – als dezidiert anti-marxistisch und machten Marx direkt für den bürokratischen Ruin der sozialistischen Revolution verantwortlich. Dass man mit den Texten von SouB gleichwohl »marxistisch« weiterarbeiten konnte, dafür steht, im Guten wie im Schlechten, Guy Debord. [zurück]

Aus dem »Erbauungsbuch des Kapitalisten«

Lesebefehl: Paul Lafargue, »Die Religion des Kapitals«, das Pamphlet (französische Erstveröffentlichung am 27. Februar 1886) liegt seit einem Jahr als Neuübersetzung (Andreas Rötzer) bei Matthes & Seitz vor. Lafargue ist der große kommunistische Feuilletonist und Satiriker seiner Zeit gewesen, vielleicht der einzige Marxist, der diesen Namen verdient hat (wir erinnern uns: Marx sagt von sich, er sei kein Marxist). Im Folgenden ein Auszug, S.45ff.

Das Wesen des Gott-Kapitals

1. Meditiere über die Worte Deines Gottes, des Kapitals.

2. Ich bin der menschenfressende Gott, ich nehme Platz an den Tafeln der Fabrik und verspeise die Lohnarbeiter. Ich verwandele ihr mickriges Leben in göttliches Kapital. Ich bin das unendliche Rätsel: ewige Substanz, und doch nichts als vergängliches Fleisch, meine Allmacht ist nichts als die Schwäche der Menschen. Die leblose Kraft des Kapitals speist sich aus der Lebenskraft der Lohnarbeiter.

3. Ich bin das Prinzip der Prinzipien: Durch mich beginnt jede Produktion, bei mir endet jeder Austausch.

4. Ich bin der lebendige, allgegenwärtige Gott: Eisenbahn, Hochöfen, Getreidemühlen, Frachtschiffe, Weinberge, Gold und Silbermünzen sind die membra disjecta* des universellen Kapitals. *[Laut Wikipedia »… Ausdruck für die (…) aus ihrer ursprünglichen organischen Ordnung gerissenen Teile eines Ganzen.«]

5. Ich bin die unermessliche Seele der zivilisierten Welt; mein Körper ist unendlich vielfach und mannigfaltig. Ich lebe in allem was verkauft und gekauft wird. Ich wirke in jeder Ware, und keine einzige besteht außerhalb meiner lebendigen Einheit.

6. Ich glänze im Gold und stinke im Mist, ich bin der Genuss im Wein und das Ätzende in der Säure.

7. Meine stets anwachsende Substanz fließt gleich einem unsichtbaren Strom durch alle Materie, unendlich geteilt und wieder geteilt, kerkert sie sich selbst ein in die besondere Gestalt jeder Ware, und ohne mich zu ermüden bewege ich mich von einer Ware zur anderen: heute Brot und Fleisch, morgen Arbeitskraft des Produzenten, übermorgen ein Eisenbarren, aber auch ein Stoffballen, ein dramatisches Werk, ein Fass voller Ruß, ein Sack Dünger: Die ewige Wiedergeburt des Kapitals nimmt kein Ende. Meine Substanz stirbt nicht, aber die Gestalten, in denen sie erscheint, sind zeitlich – sie enden und vergehen.

8. Der Mensch sieht, fühlt, riecht und schmeckt meinen Körper, aber meinen Geist, der feiner ist als Äther, nehmen die Sinne nicht wahr. Mein Geist ist der Kredit. Er braucht keinen Körper, um sich zu offenbaren.

9. Ich belebe und verwandle alle Dinge, ich bin geschickte als der Chemiker [Jöns Jakob] Berzelius oder als [Karl Friedrich] Gerhardt, ich verwandele weite Fluren, gigantische Maschinen, schweres Metall und brüllende Herden in Aktien aus Papier. Und leichter als elektrisierte Knallgasbläschen tanzen und hüpfen Kanäle und Hochöfen, Fabriken und Bergwerke an der Börse, meinem geheiligten Tempel, von Hand zu Hand.

10. Ohne mich würde in den Ländern, die von den Banken regiert werden, weder etwas beginnen, noch zu Ende gebracht werden. Ich befruchte die Arbeit, ich domestiziere im Dienste der Menschen die unüberwindlichen Kräfte der Natur und ich lege das mächtige Ruder der gesamten Wissenschaft in seine Hände.

11. Ich umgarne die menschliche Gesellschaft mit dem goldenen Netz des Handels und der Industrie.

12. Der Mensch, der mich nicht besitzt, dem kein Kapital zur Verfügung steht, wandelt nackt durch das Leben, umgeben von wilden, mit allen denkbaren Folter- und Mordinstrumenten ausgestatteten Feinden.

13. Dem Menschen, der kein Kapital besitzt, aber stark ist wie ein Stier, wird man das Gewicht, das auf seinen Schultern lastet, noch beschweren; wenn er fleißig ist wie eine Ameise, wird man seine Aufgaben noch verdoppeln; wenn er genügsam ist wie ein Esel, wird man seine knappe Nahrung noch reduzieren.

14. Was wären die Wissenschaften, die Tugenden und die Arbeit ohne Kapital? Eitelkeit und vergebliches Bemühen.

15. Ohne die Gnade des Kapitals leitet die Wissenschaft den Menschen abseits auf den Weg des Wahnsinns, stürzen ihn Arbeit und Tugend in den Abgrund des Elends.

16. Weder Wissenschaft noch Tugend, noch Arbeit befriedigen den Geist des Menschen. Ich bin es, das Kapital, das die hungrige Meute seiner Gelüste und Leidenschaften befriedigt.

17. Ich gebe mich hin und entziehe mich ganz nach Gutdünken, und ich lege keine Rechenschaft darüber ab. Ich bin der Allmächtige, der über die lebenden Dinge ebenso herrscht wie über die toten.

Lafargue
„Sie schleudern uns als Beleidigung die Bezeichnung homme de couleur ins Gesicht. Es ist unsere Aufgabe als revolutionäre Mulatten, diese Bezeichnung aufzunehmen und sich ihrer würdig zu erweisen. Radikale in Amerika, macht Mulatte zu eurem Sammelruf! … Er bezeichnet Elend, Unterdrückung, Haß. Wißt ihr etwas Schöneres?“