Hegel, der Materialist!

Et voilà. So geht Materialismus:

»Grabe einen Toten aus und befrage die Made, die an seinem Fleische nagt: Was der Pfaff am Grabe versprochen, hat sie eingelöst – das Leben nach dem Tode. Wäre sie begabt zu Glück, sie wäre dankbarer Christ. Wäre sie Mensch, sie wollte Pabst werden. Wäre sie Philosoph, sie würde Tinte scheißen, die vom Tod als einem Festmahl kündet. Der Mensch, der Christ, der Philosoph aber, sei alle sind aber im Gegensatz zu unserer Made todunglücklich: weil sie leben und die Glückseligkeit erst im Tode erwarten. Sie sind unglücklich, weil sie der Tote sein wollen und nicht die Made.«

(Oder doch eher: Hegel, der Materialist? So schön und trefflich obiges Zitat ist, wir können leider nicht für seine Authentizität bürgen. Überliefert hat es der Schriftsteller Robert Menasse u.a. in seinen 2005 gehaltenen Frankfuter Poetikvorlesungen, bei Suhrkamp veröffentlicht, und in einem Essay für die Süddeutsche Zeitung. Ich habe die Quelle bei Hegel selbst bislang nirgendwo finden können, das kompetente Hegel-Register Helmut Reinickes bleibt stumm, auch die sonst so treffsicheren books.google-Seiten haben mir nicht weiterhelfen können, sondern verweisen stets nur auf Mensasses Suhrkamp-Büchlein. Dort gibt Menasse auch keine Quelle an. Hinzukommt, dass er das Zitat offensichtlich in leicht unterschiedlichen Fassungen überliefert; wir folgen der Fassung, die er einst in jenem Essay für die Süddeutsche, naja, ausgrub. Vielleicht alles doch ein Fake? Dann wäre es zumindest ein hübscher. Zweckdienliche Hinweise werden gerne entgegen genommen.)