Wie zu lesen sei

Ein Kommentar von Lysis/Rhizom, der es verdient, extra herausgestrichen zu werden, weil ihm die Relativierung der Ideologiekritik zugunsten einer materialistischen Durchdringung der Wirklichkeit gut gelingt. Diesem Kommentar ging ein anderer vorher mit einem dieser klassischen Paranoia-Sätz: »Jede Kritik hat auch ihren Subtext, also: Jede Kritik wird aus einem bestimmten Interesse heraus artikuliert.« Überdruss stellt sich ein, es ist doch so, dass man das zähe Gekäse um Subtexte und hinterweltlerische (sic!) Interessen nur noch schwer ertragen kann! Was Lysis nicht bzw. nur implizit sagt (ist aber kein Mangel seiner Antwort): Man gelangt dadurch in einen infiniten Regress, »schlechte Unendlichkeit« (Hegel). Denn haben die Interessen, der »Subtext«, nicht selbst wieder einen »Subtext«?
Dabei kann es doch so einfach und klar sein! Man lese:

Ich finde nicht, dass es um den Subtext, sondern dass es um den Text geht. Ich brauche keine Hermeneutik des Verdachts, um zu zeigen, warum die Islamkritik von PI [Politcally Incorrect] rassistisch ist. Dazu reicht eine Analyse der manifesten Verdrehungen und inhärenten Essenzialisierungen völlig aus. Erst wenn man gezeigt hat, dass auf der sachlichen Ebene etwas nicht stimmt, dass also der rationale Charakter, den man einer Äußerung von Haus aus unterstellt, objektiv verletzt ist, kann man sich sekundär den psychologischen Beweggründen zuwenden, die dieser Verletzung subjektiv zugrundeliegen. Die Realkritik hat der Ideologiekritik logisch immer vorauszugehen. Sie ist ihr Fundament. Erst musste Marx zeigen, dass die bürgerliche Nationalökonomie eklatante Widersprüche aufweist, bevor er die bewusstseinsimmanenten Gründe für diese analytischen Auslassungen benennen konnte.