Die Herrschaft der vergangenen Arbeit über die gegenwärtige

Zu der letztens dokumentierten Marxismus-Einführung Willy Huhns fällt mir folgendes als Anschlussstück ein. Es stammt von Günther Anders, einem der großen Ungelesenen dieser Tage. Dabei ist seine Technik- und Rationalisierungs(Rationalitäts-)kritik für alle diejenigen, die das KAPITAL (Bd.I) nicht erkenntnisskeptisch lesen, sondern als durchgeführte Kritik innerbetrieblicher Herrschaftsverhältnisse, eine wahre Fundgrube von Einsichten. Anders, dies nur nebenbei, musste sich in den 40er Jahren im Westküsten-Exil als u.a. Fabrikarbeiter verdingen, bei Gelegenheit soll er dies mehrmals als sein zweites Studium bezeichnet haben.

Das Zitat stammt aus den „Methodologischen Nachgedanken“ seines zweiten Bandes von „Die Antiquiertheit des Menschen. Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution“ (München 1980, S.424f.).

Jeder, der einmal an einer Maschine gearbeitet hat, wird die Beobachtung gemacht haben, daß er diese erst dann als »seine« betrachtet hat, wenn seine von ihrem Gange erforderten Handgriffe eingegleist waren und automatisch vor sich gingen – wenn er also ihrer war. Erst dadurch, daß wir uns an die Geräte adaptieren (nein, selbst diese Formulierung unterstellt noch zuviel Spontaneität), erst dadurch, daß die Geräte uns an sich adaptieren, kommt diejenige »adaequatio«, nämlich »producti et hominis« zustande, die es uns dann nachträglich erlaubt zu glauben, daß unsere Welt »unsere«, daß sie Ausdruck von uns heutigen Menschen sei. In einem dialektischen Sinne ist sie das freilich auch. Denn die Menschen, die von den Geräten geprägt werden, sind ja niemals Menschen »im Naturzustand«, sondern immer bereits solche, die durch frühere Geräte konditioniert und dadurch für weitere bereitgemacht worden waren. Gleichviel, wenn uns das »Weltkleid« so gut und wie nach Maß geschneidert sitzt, so weil es uns zuvor sich selbst angemessen hat. Überflüssig zu bemerken, daß die heutige Adäquationsformel nicht, wie die frühere »adaequatio rei et intellectus«, die Wahrheit definiert, sondern unser unwahres Verhältnis zur Welt, bzw. unser opportunes Verhältnis zur bestehenden unwahren Welt.